American Express

Platinum Card

Zu schön, um wahr zu sein?

Die Wahrheit über die AMEX

Sofern du in den sozialen Medien aktiv bist oder dich schon mal über Kreditkarten informiert hast, wirst du mit Sicherheit über die sogenannte AMEX, die American Express Kreditkarte, gestolpert sein. Besonders die American Express Platinum Card wird auf Instagram und Reiseblogs kräftig beworben und für Backpacker und Weltreisende schmackhaft gemacht. Zugang zu luxuriösen Flughafenlounges oder einfach anmutende Upgrades in die Business Class… Klingt zu schön, um wahr zu sein, oder? Aber das ist leider nur die halbe Wahrheit. Die Nachteile dieser Karte werden oftmals verschwiegen oder beschönigt und die Darstellung ist häufig einseitig positiv. Dadurch wird versucht, die AMEX einer Zielgruppe näherzubringen, die überhaupt nicht zu ihr passt. Daher beleuchten wir in diesem Blogbeitrag die negativen Aspekte der AMEX aus der Sicht eines Backpackers. Aber bevor wir uns den Nachteilen der American Express Platinum Card widmen, schauen wir uns erstmal an, mit welchen Vorteilen die Karte denn so lockt.

Welche Vorteile bringt die AMEX?
Zwei Punkte, mit der die American Express Platinum Card häufig beworben wird, sind der kostenlose Lounge Zugang am Flughafen und die Möglichkeit, günstig Flüge zu buchen. Dazu kommt ein jährliches Reise-, Entertainment- und Restaurantguthaben im Wert von mehreren hundert Euro sowie verschiedene Versicherungsangebote und Rabattmöglichkeiten. Außerdem kannst du durch deine Ausgaben mit der American Express Platinum Card Membership Rewards sammeln, die du im AMEX Reiseportal beispielsweise gegen Flüge eintauschen kannst. Dazu kommt noch ein riesiger Willkommensbonus und der erste Gedanke, wenn man das liest oder hört, ist: Wow, das will ich auch haben! Denn wer will nicht in Airport Lounges mit einem unendlichen Essensangebot chillen anstatt sich überteuertes Fastfood am Flughafen kaufen zu müssen? Oder die Beine in der Business Class ausstrecken, anstatt sich mit hundert anderen Leuten in die Holzklasse zu quetschen? Klingt alles ziemlich verlockend, aber ganz so leicht ist es leider nicht. Welche Nachteile die Karte mit sich bringt und welche Bedingungen du überhaupt erst erfüllen musst, um in den Genuss dieser Annehmlichkeiten zu kommen, zeigen wir dir jetzt.

Die Kosten
Die American Express Platinum Card kostet 60 Euro pro Monat. Das sind 720 Euro pro Jahr, nur um eine Kreditkarte zu besitzen. Damit gehört die AMEX zu den teuersten Kreditkarten auf dieser Welt. Das allein wäre für uns schon Grund genug, die American Express Platinum Card nicht zu nutzen. Denn für 720 Euro kann man bereits einen Flug für eine Fernreise buchen.

Extrem hohe Umsätze notwendig
Grundsätzlich gibt es zwar keinen Mindestumsatz für die American Express Platinum Card, aber damit du den oben erwähnten Willkommensbonus erhältst, der eines der größten Kaufargumente für diese Karte darstellt, musst du erstmal 10.000 Euro in 6 Monaten mit der AMEX umsetzen. Ich weiß nicht wie es bei dir aussieht, aber wir als Backpacker versuchen eigentlich so sparsam wie möglich zu reisen oder haben im Vorfeld unserer Weltreise alle Ausgaben minimiert, um möglichst viel Geld für unsere anstehende Weltreise beiseite zu legen. Für uns steht die Intention, hohe Summen mit der American Express Platinum Card umzusetzen, ganz klar im Widerspruch zu unserem Lifestyle als Backpacker. Und der nächste Punkt macht es noch schwerer, diese hohen Umsätze zu generieren.

Geringe Akzeptanz und Gebühren
Die Express Platinum Card wird im Ausland häufig nicht akzeptiert, sodass du gar nicht erst mit der AMEX zahlen kannst. Jeder der reist, weiß, dass Kartenzahlungen ohnehin nicht immer möglich sind und wenn, dann meistens nur mit einer VISA oder MasterCard. Und selbst wenn du mit der AMEX zahlen könntest: Es werden im Gegensatz zu kostenlosen Reisekreditkarten (später mehr dazu) immer 2% extra berechnet. Und über Bardgeldabhebungen müssen wir gar nicht erst reden, denn dort werden zusätzlich 4% erhoben. Kurz gesagt: Du zahlst 720 Euro pro Jahr für eine Kreditkarte, die im Reisealltag praktisch gesehen nutzlos ist.

Es gibt nichts geschenkt
Die AMEX lockt mit tollen Angeboten wie Restaurantgutscheinen, Reiseversicherungen oder Reiseguthaben. Klingt erstmal schön, aber oft sind diese Angebote sind an Bedingungen geknüpft. Außerdem ist die American Express Platinum grundsätzlich extrem konsumgetrieben. Ein Beispiel dafür ist das AMEX Reiseportal, denn nur dort kannst du von deinen Gutscheinen und Punkten (sog. Membership Rewards) Gebrauch machen. Schön und gut, deinen 150 Euro Restaurantgutschein bei einem überteuerten Restaurant einlösen, aber würdest du ohne die AMEX überhaupt auf die Idee kommen, für 150 Euro essen zu gehen? Wir definitiv nicht. Gleiches gilt für den 8×25 Euro Sixt Ride Gutschein, wenn ein normales Taxi doch viel günstiger ist. Aber bei der AMEX handelt es sich nunmal um ein Premiumprodukt und daran orientiert sich eben auch das Angebot im Reiseportal. Aber durch diese ganzen Lockangebote soll man das Gefühl vermittelt bekommen, dass einem etwas geschenkt wird. Dabei würden viele Reisende diese teuren Angebote ohne die American Express Platinum Card gar nicht erst wahrnehmen und so gesehen sind es unterm Strich einfach nur Ausgaben. Da helfen auch die ganzen Milchmädchenrechnungen nicht weiter, die versuchen, diese Gutscheine schön zu reden oder zu relativieren.

Keine Karte für Backpacker und Weltreisende
Auf Social Media wird die Karte so beworben, als könne sich jeder Backpacker und Weltreisende damit locker und ständig Flüge in der Business Class leisten. Und diese teils irreführende Werbung funktioniert… Wir kennen tatsächlich viele Reisende, die sich aufgrund der Empfehlung von Influencern die American Express Platinum geholt haben und dann super schnell merken: „Oh, sie bringt mir ja gar nichts!“ Denn viele erzielen nicht die geforderten Umsätze und können damit von den ach so tollen Vorteilen gar keinen Gebrauch machen. Und hier hört der Spaß für uns auf, denn dann wird die American Express Platinum Card sogar schnell zur Kostenfalle. Im Zweifel bleibt man nicht nur auf den 720 Euro im Jahr sitzen, sondern fühlt sich sogar noch gezwungen in den ersten sechs Monaten zusätzliche Ausgaben mit der AMEX zu tätigen, damit der Mindestumsatz von 10.000 Euro erreicht wird, um wenigstens noch den Willkommensbonus zu erhalten. Und bedenke immer eins: Ein Abschluss über den Affiliate Link eines Influencers bringt ihm bis zu 65.000 der sogenannten Membership Rewards (sozusagen die Punkte, die man im Portal gegen die Leistungen eintauschen kann). Daher ist die Karte vor allem für diejenigen attraktiv, die sie bewerben, denn ein Abschluss entspricht damit umgerechnet bis zu 400 Euro. Aber für jeden, der keine Community im Rücken hat, an die er die AMEX verkaufen kann, besteht diese Möglichkeit so schnell und so viele Punkte auf einmal zu sammeln eben nicht. Und versteh uns nicht falsch: Affiliate Marketing gehört für jeden Influencer und Reiseblogger dazu – für uns ja genauso. Und es gibt auch einige gute und weitestgehend objektive Blogbeiträge zur AMEX, aber leider auch viele, die die negativen Aspekte kaum beleuchten oder versuchen zu beschönigen.

Glorifierzung vom Jetset Lifestyle
Abhängen in luxuriösen Flughafen Lounges und ständig Business Class fliegen – klingt geil, ist es (für uns) aber nicht. Wir finden diesen Lebensstil auf Dauer nicht erstrebenswert und sehen Fliegen als notwendiges Übel am Reisen. Die American Express Platinum Card suggeriert aber genau das Gegenteil: Durch die Lounges und Upgrademöglichkeiten (die in der Praxis aber gar nicht so einfach sind) wird man eher dahin getrieben, mehr zu fliegen. Mal ganz abgesehen davon, dass der ökologische Fußabdruck in der Businessclass gegenüber der Economy um das Dreifache erhöht ist. Wir vertreten eher den Standpunkt, Flüge so gut es geht zu vermeiden und besonders auf kürzeren Strecken immer auf weniger umweltschädliche Verkehrsmittel als das Flugzeug zurückzugreifen.

Unsere Meinung zur AMEX

In diesem Video gehen wir genauer darauf ein, was uns an der AMEX stört.

Für wen ist die AMEX dann geeignet?
Wir argumentieren hier aus der Perspektive eines Backpackers, eines Weltreisenden oder eines „ganz normalen Reisenden“, der einen einfachen Reisestil hat und keinen großen Wert auf Luxus legt (obwohl wir es uns auf Reisen oft ganz gut gehen lassen). Und wir wollen der American Express Platinum Card auch nicht ihre Daseinsberechtigung absprechen. Sie eignet sich für Vielflieger, Geschäftsreisende und Leute, die damit ohne zusätzlichen Konsum ihre Alltagsausgaben decken können. Denn, und das müssen wir der Vollständigkeit halber natürlich auch erwähnen, man kann mit der AMEX natürlich im Alltag Punkte sammeln. Beispielsweise bei Supermärkten, an Tankstellen, im Onlinehandel und bei Buchungen von Reisen. Und wenn du über diese Ausgaben, die du unabhängig von der AMEX sowieso tätigen würdest, 10.000 Euro in 6 Monaten mit der American Express Platinum Card umsetzt, dann spricht überhaupt nichts gegen diese Karte. Im Gegenteil: Dann kann sie für dich sinnvoll sein, um beispielsweise einmal pro Jahr deinen Flug für eine Fernreise darüber zu finanzieren. Dagegen können und wollen wir nicht argumentieren. Genauso wenig, wie wenn du diesen Luxus und Komfort einfach haben möchtest und gerne dafür bezahlst. Go for it!

Was ist das Problem?
Uns stört die einseitige Darstellung der AMEX, bei der versucht wird, die Karte einem breiten Publikum, darunter viele Backpacker und Weltreisende, schmackhaft zu machen, obwohl sie davon nicht profitieren. Aber man lässt sich schnell von den luxuriösen Annehmlichkeiten blenden und auch wir haben mal über die American Express Platinum Card nachgedacht, weil wir sie so oft auf Instagram gesehen haben. Denn durch die dauerhafte Präsenz und positive Darstellung bekommt man den Eindruck vermittelt, man wäre ja fast schon dumm, die AMEX nicht zu haben. Aber das hat sich bei genauerem Hinsehen als Irrtum herausgestellt und deshalb wollen wir mit diesem Blogbeitrag potenziell Interessierten die negativen Seiten der Karte näher bringen, damit man keine 720 Euro für eine Kreditkarte ausgibt, die garnicht zu einem passt.

Unsere Empfehlungen

Du bist Backpacker und möchtest trotzdem Meilen sammeln? Kein Problem! Dafür brauchst du nämlich keine 720 Euro Kreditkarte. Denn die einfachste günstigste Möglichkeit Meilen bzw. Punkte im Alltag zu sammeln, ist über Payback Punkte. Dafür kannst du ganz einfach eine normale Payback Karte nutzen, wie du es beispielsweise von REWE kennst. Aber was haben Payback Punkte mit Meilen und Flügen zu tun? Hier kommt das Vielfliegerprogramm von Lufthansa ins Spiel: Das heißt Miles & More und ist ein Partner des Payback-Programms. Du benötigst auch keine kostenpflichtige Miles & More Kreditkarte von Lufthansa, um an dem Vielfliegerprogramm teilzunehmen. Stattdessen kannst du dich einfach kostenlos im Miles & More Portal anmelden und dort deine gesammelten Payback Punkte importieren (teilweise sogar mit Bonus). Diese kannst du dann im Miles & More Shop beispielsweise gegen einen Flug einlösen. Aber auch hier möchten wir die Illusion vom schnellen Upgrade Business Class nehmen: Du musst natürlich extrem viele Payback Punkte haben, um dir davon einen Flug leisten zu können. Aber im Gegensatz zur American Platinum Express Card hast du keine zusätzlichen Kosten, sondern kannst einfach im Alltag Punkte sammeln – du verlierst also nichts. Und mit einer passenden Kreditkarte kannst du sogar noch zusätzliche Payback Punkte abgreifen.

Payback American Express
Payback Visa
American Express Gold Card

Ein Beispiel dafür ist die Payback American Express Karte. Diese ist dauerhaft kostenlos und zusätzlich zu den „normalen“ Payback Punkten erhältst du mit der PAYBACK American Express Karte 1 Punkt pro 3 Euro Umsatz dazu. Eine weitere Alternative ist die Payback Visa, die allerdings nur im ersten Jahr kostenlos ist und danach 18 Euro pro Jahr kostet. Außerdem bekommst du bei der Payback Visa nur 1 Punkt pro 5 Euro Umsatz, aber dafür fallen im Gegensatz zur Payback American Express Karte keine extra Gebühren für Bargeldabhebungen und Bezahlungen im Ausland an. Damit ist die Payback Visa tatsächlich effektiv im Ausland zu nutzen und du sammelst weiterhin Punkte über deine Ausgaben auf Reisen. Darüber hinaus gibt es ein riesiges Angebot an weiteren Kreditkarten, die zwar nicht kostenlos, aber im Vergleich zur American Express Platinum Card deutlich günstiger sind. Ein Beispiel hierfür wäre die American Express Gold Card, die 144 Euro pro Jahr kostet und damit für einige einen guten Kompromiss aus Kosten und Nutzen darstellen könnte. Zu den Vorteilen zählt unter anderem ein attraktives Angebot Meilen zu sammeln, ein vergünstigter Priority Pass (für den Lounge Zugang am Flughafen), verschiedene Versicherungspakete (aber meistens mit Selbstbeteiligung), eine kostenlose Zusatzkarte und ein Willkommensbonus, sofern der Mindestumsatz von „nur“ 4.500 Euro in den ersten 6 Monaten erreicht wird. Behalte jedoch im Hinterkopf, dass für die AMEX Gold in vielerlei Hinsicht die gleichen Nachteile wie für die AMEX Platinum gelten (kostenpflichtig, geringe Akzeptanz, Mindestumsatz für Willkommensbonus, hohe Gebühren für Auslandseinsatz etc.). Daher empfehlen wir für Einstieg die kostenlose Variante über Payback Punkte. So kann man sich erstmal an das Thema Meilen Sammeln rantasten, ohne direkt eine kostenpflichtige Kreditkarte zu kaufen. Und wenn man dann Gefallen und Nutzen darin findet, kann man über eine Karte wie die AMEX Gold oder sogar AMEX Platinum nachdenken.

Die besten Reisekreditkarten

Wenn du mit dem ganzen Thema Meilen sammeln und Payback Punkte nichts anfangen kannst, sondern einfach nur nach einer guten und kostenlosen Reisekreditkarte suchst, können wir dir die beiden folgenden Karten empfehlen. Diese sind dauerhaft kostenlos und es werden keine Gebühren für Bargeldabhebungen oder Bezahlungen im Ausland erhoben.

DKB Visa Debitkarte
Barclays Visa

Wir haben sowohl die DKB Visa Debitkarte als auch die Barclays Visa zwei Jahre täglich auf Weltreise genutzt und beide ähneln sich vom Leistungsumfang und eignen sich daher gleichermaßen gut für eine Auslandsreise. Allerdings gibt es besonders bei der Barclays Visa einige Kleinigkeiten zu beachten, damit sie komplett kostenfrei bleibt. Weitere Infos dazu findest du in unserem Blogbeitrag über die besten Reisekreditkarten, wo wir dir neben der DKB Visa Debitkarte und der Barclays Visa auch noch zwei weitere kostenlose Kreditkarten vorstellen.

Amex - Fazit

Ich glaube, in keinem anderen Blogbeitrag haben wir bisher so klare und kritische Worte über ein Produkt gefunden, das mit dem Thema Reisen zusammenhängt. Aber nachdem uns auf Instagram einige Leute geschrieben und bei YouTube viele Nutzer der AMEX kommentiert haben, dass sie unzufrieden mit der Karte sind, wollen wir noch mal einen anderen Blick aufzeigen – aus Sicht eines Backpackers und Weltreisenden, der von einem Verkauf der AMEX selbst nicht profitiert.

Uns ist einfach wichtig, dass du genau weißt, ob die American Express Platinum Card wirklich für dich geeignet ist und ob du die Vorteile der Karte tatsächlich nutzen kannst, bevor du jährlich 720 Euro hinblätterst. Betrachte unseren Beitrag zur AMEX als Gegenpol zu den sonst oft einseitig positiven Blogbeiträgen und bedenke: Bei der AMEX handelt sich nicht um ein Produkt für die Massen, sondern viel mehr um ein Luxusprodukt. Und das alleine ist doch ein Widerspruch zum Backpacking, oder?