Death Road

Bolivien

Death Road - wirklich tödlich?

Ein mal mit dem Mountainbike auf der Straße fahren, die einst zur gefährlichsten der Welt gekürt wurde – das ist möglich in Bolivien! Auf viele übt die Yungas Road, genannt Death Road, die auf knapp 4700 Metern Höhe in den Anden startet und auf 1200 Metern am Rande des Amazonas endet, einen besonderen Reiz aus. Früher diente sie als wichtige Verbindungsstraße, auf der viele tödliche Unfälle passierten. Heute ist sie für den normalen Verkehr gesperrt und zu einer der coolsten Touristenattraktionen Südamerikas geworden! Tödlich ist sie wohl eher nicht mehr, aber aufpassen sollte man mit dem Mountainbike dennoch, denn zum Teil geht es direkt neben der kurvigen Schotterpiste hunderte Meter steil bergab!

Touren starten meist in La Paz, dem chaotischen Regierungssitz Boliviens. Mit dem Van wirst du zum Ausgangspunkt der Yungas Road gefahren, von wo aus es – ausgestattet mit einem Bike und Schutzausrüstung – rund vier Stunden lang und 65 Kilometer downhill, ein mal durch alle Klimazonen Südamerikas geht.

Warum Death Road?

Die Yungas Road trägt ihren Beinamen Death Road nicht umsonst – früher, als die Straße noch als wichtige Verkehrsachse zwischen den Hochanden und dem Amazonas Boliviens galt, passierten hier viele tödliche Unfälle. Gebaut wurde die einspurige Straße in den 1930er Jahren im sogenannten Chaoskrieg von paraguayischen Zwangsarbeitern. Dass hier viele Unfälle passierten, ist keine Überraschung: Die Straße war unbefestigt, kurvenreich, in schlechtem Zustand, wurde zweispurig (auch von schwer beladenen LKWs) befahren, zum Teil wurde die Sicht durch Regen und Nebel erschwert, es gab kaum Absicherungen und stets drohte die Gefahr, in den tausende von Metern tiefen Canyon hinabzustürzen.

Noch bis ins Jahr 2007 diente die Yungas Road als Hauptverkehrsachse – dann endlich wurde eine moderne, zweispurige Straße zwischen La Paz und Coroico eröffnet. Die Yungas Road wird heute nicht mehr für den normalen Verkehr genutzt, weshalb es für die Mountainbiker auch weitaus weniger gefährlich ist, weil nicht mit Gegenverkehr zu rechnen ist. Einer Schätzung zufolge starben bis 2007 jährlich 200 bis 300 Reisende auf der Strecke.

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Buchung, Preise & Ablauf

Ausgangsort für die Touren auf die Death Road ist die Stadt La Paz, wo sich zahlreiche Touristenbüros, insbesondere rund um die Calle Sarganara, befinden. Achtung: Buche die Touren nicht vorab online! Vor Ort bekommst du deutlich bessere Preise und Touren spontan zu buchen ist kein Problem. Wir haben bei Height Experience gebucht, sind am Ende aber bei Barro Biking gelandet. Gezahlt haben wir 250 Bs (35€) pro Person für unsere Tour mit Mountainbikes mit einfacher Federung.

Der Ablauf der Touren ist unserer Erfahrung nach immer der gleiche: Morgens, gegen 7 oder 8 Uhr, geht es mit dem Minivan, auf dessen Dach sich die Räder befinden, von La Paz aus in circa einer Stunde zum Ausgangspunkt, dem La Cumpre Pass auf knapp 4700 Meter in die bolivianischen Anden. Hier gibt es eine kurze Einführung, jeder bekommt sein Mountainbike und seine Schutzkleidung (Overall, Hose, Knie- und Ellbogenschützer, Helm und Handschuhe) und los geht das Abenteuer.

Die ersten 22 Kilometer fährt man auf einer neuen, asphaltieren Straße. Den Abschnitt kannst du nutzen, um dein Bike kennenzulernen, aber bei uns ging es gleich ziemlich schnell los. Nach diesem ersten Abschnitt werden die Bikes noch mal auf den Minivan verfrachtet und ein kleines Stück wird im Van zurückgelegt. Das ist wohl darauf zurückzuführen, dass auf diesem Abschnitt vor einigen Jahren zwei Touristen tödlich verunglückt sind und der Teil seitdem für Mountainbiker gesperrt ist. Anschließend gibt es eine kleine Pause inklusive Snack, bevor dann die eigentliche, unbefestigte Death Road anfängt. Das ist auch ein guter Zeitpunkt, um die ersten Kleidungsschichten auszuziehen, denn hier ist es schon deutlich wärmer.

Rund drei Stunden dauert dieser Teil der Straße inklusive Fotopausen, und bis auf ein kleines Stück ganz zum Schluss, geht es ausschließlich bergab. Am Ziel angekommen, kann man sich ein wohlverdientes kühles Bier kaufen und ein wenig verschnaufen, während die Guides die Bikes reinigen. Den Abschluss dieser einzigartigen Tour bildet ein spätes Mittagessen in einem nahegelegenen Hostel, in dem du auch duschen und den Pool nutzen kannst. Denn während es am Startpunkt noch echt kalt war, bist du inzwischen 3500 Höhenmeter tiefer und im feuchtwarmen Regenwald angekommen. Gegen 17 Uhr treten die Vans dann den zweistündigen Rückweg nach La Paz an.

Auf der Death Road

Was uns besonders wichtig war: Bei unserer Tour konnte jeder sein Tempo fahren, niemand wurde gehetzt und niemand wurde ausgebremst. Die Minivans fahren der Gruppe immer hinterher – so wird sichergestellt, dass keiner verloren geht. Voraus fährt einer der Guides, und dazwischen kann jeder so schnell oder langsam fahren, wie er möchte. Alle fünf bis zwanzig Minuten, je nach Abschnitt, wird eine Pause gemacht, sodass die Gruppe wieder zusammen findet. Außerdem hat unser Anbieter super viele Fotos gemacht, für die auch Stopps eingelegt wurden. Diese bekommst du hinterher zugeschickt, sodass du also auch Beweismaterial hast, dass du die gefährlichste Straße der Welt wirklich runtergefahren bist.

Wir hatten super viel Spaß auf der gesamten Tour und haben uns immer sicher gefühlt. An zwei, drei Stellen hatte sich einer unserer Guides platziert, um uns zu verstehen zu geben, dass wir es hier langsamer angehen sollten und generell hat die Tour auf uns einen sehr professionellen Eindruck gemacht. Aber trotzdem solltest du darauf achten, dich nicht zu überschätzen und nur so schnell zu fahren, wie es sich für dich gut anfühlt – denn die Straße ist nach wie vor gefährlich! In unserer Gruppe gab es einige kleinere Stürze, bei denen aber zum Glück niemand verletzt wurde. Im Zweifel gibt es auch die Möglichkeit, sich in den Minivan zu setzen, falls man sich wirklich unwohl fühlt.

Die Landschaft und die Aussichten sind einfach der Wahnsinn: Man blickt in den riesigen begrünten Canyon hinab, fährt durch Wasserfälle hindurch und merkt mit der Zeit, wie es immer heißer wird. Denn während am Ausgangspunkt noch ein eisiger Wind weht und eine Jacke auf jeden Fall ratsam ist, durchfährt man mit dem Mountainbike jede Klimazone Südamerikas, bis man im schwülen tropischen Regenwald ankommt. Anstrengend ist die Tour an sich nicht, weil es zu 99 Prozent bergab geht – aber die Hände schmerzen hinterher von der ruckeligen Piste und dem ständigen Bremsen ganz schön! Achte darauf, dass du gute Handschuhe bekommst – wir haben einige Blasen und Wunden an den Händen davon getragen.

Death Road - Fazit

Was sollen wir sagen: Für uns war die Mountainbike Tour auf der Death Road eins unserer Highlights – nicht nur in Bolivien, sondern während unserer gesamten Reise in Mittel- und Südamerika! Wir sind beide vorher noch nie Mountainbike gefahren und wussten somit auch nicht wirklich, worauf wir uns da einlassen. Aber es gibt wohl kaum eine aufregendere oder schönere Strecke auf der Welt, um diesen Extremsport das erste Mal zu praktizieren. Wir waren hin und weg!

Wir würden die Tour jedem empfehlen, der Lust auf einen Adrenalinkick (und im besten Fall keine Höhenangst hat). Und zum Schluss noch ein kleiner Tipp zur Weiterreise: Wenn du nach der Death Road in den Amazonas von Bolivien willst, musst du nicht mit dem Minivan zurück nach La Paz fahren, sondern kannst dich in das kleine Dorf Yolosita fahren lassen. Dort hält der Nachtbus nach Rurrenabaque, was als Ausgangsort in den Amazonas gilt. So kannst du dir ein paar Stunden Fahrzeit sparen.