Die Idee

Zur Weltreise

Verschieben, verzweifeln, verwirklichen

Die Story

Obwohl wir beide schon immer gerne gereist sind, gab es nie konkrete Pläne für eine Weltreise. Dafür war zwischen Studium und Einstieg in den Beruf auch keine Zeit. Die Prioritäten waren andere und ein langfristiger Auslandsaufenthalt erstmal undenkbar. Aber dann kam 2020 und hat unser aller Leben auf den Kopf gestellt. Dass dabei unsere geplanten Urlaube gecancelt wurden, war zur damaligen Zeit eigentlich das geringste Problem. Trotzdem haben wir relativ schnell gemerkt, dass uns diese Backpackingtrips total fehlten. Stichwort: Fernweh! Klassische First-World-Problems, aber war nunmal so. So schmiedeten wir noch im Lockdown im Frühjahr 2020 die ersten Pläne für einen dreimonatigen Aufenthalt in Südostasien. Voller Optimismus, dass die ganze Pandemie bald enden würde, wurde gespart und die Pläne konkretisiert. 

Ziemlich naiv im Nachhinein betrachtet… Nächste Welle, wieder Lockdown, schleppende Impfungen, Virusvarianten – du kennst die Storys. Aber anstatt die Pläne zurück in die Schublade zu schieben, wurde die Sehnsucht mit jeder Lockdownverlängerung im Winter 2020/2021 größer. Für jeden Monat, den wir warten mussten, wurde die Reise gedanklich um einen Monat verlängert. Und spätestens bei sechs Monaten und zwei Kontinenten war dann von einer kleinen Weltreise die Rede. Und nach Monaten des Wartens und des Sparens war es dann so weit: Fast ein Jahr nachdem eigentlich unser dreimonatiger Südostasientrip beginnen sollte, ging es am 3.2.2022 für etwa ein Jahr auf Weltreise. Aus der kurzen Auszeit wurde ein Ausstieg, aus einer kleinen Idee ein großer Traum. Was danach passiert? Keine Ahnung, jetzt zählt erstmal die Gegenwart.

Mindset

So viel zu unserer Geschichte. Wie du siehst, war die Weltreise kein lang ersehnter Kindheitstraum oder auch nicht der Wunsch nach einer beruflichen Auszeit nach Jahren der Überarbeitung. Die Idee ist aus der Sehnsucht gewachsen und nachdem wir wussten, was finanziell auf uns zukommt, haben wir Monate, im Endeffekt sogar fast zwei Jahre darauf gespart. Während sich andere in diesem Lebensabschnitt auf

ihre berufliche Karriere fokussieren, ein Auto kaufen, Kredite für Wohnungen aufnehmen, heiraten oder Kinder kriegen, haben wir Jobangebote ausgeschlagen und unsere berufliche Perspektive dem Traum einer Weltreise untergeordnet. Denn wir wollen eines Tages nicht auf unser Leben zurück blicken und immer wieder bereuen, es nie getan zu haben. Dafür war der Wunsch und das Verlangen einfach zu groß.

Zweifel

Aber es war auch nicht alles komplett straight forward. Allein die mehrfachen Verschiebungen vom 1.4.2021 auf den 1.10.2021, auf den 1.12.2021 bis hin zum 1.2.2022 haben an unseren Nerven gezehrt und uns zweifeln lassen, ob es überhaupt noch klappt. Wir hatten zwar keinen Zeitdruck, aber wir waren einfach ready und haben monatelang auf gepackten Koffern gesessen und nur darauf gewartet, endlich unsere Kündigung abzugeben. Doch wir wollten auch nichts überstürzen, denn es sah lange danach aus, als wäre uneingeschränktes und individuelles Reisen überhaupt nicht möglich.

Aber irgendwann war unsere Geduld am Ende und wir mussten trotz Zweifeln und Ungewissheit eine Entscheidung treffen. Eine weitere Verschiebung kam irgendwann nicht mehr in Frage und wir mussten unsere Erwartungshaltung an die Weltreise den aktuellen Umständen anpassen. Besser „anders“, als zum fünften mal verschieben oder die Träume endgültig zu begraben. Keiner wusste damals, wann „normales Reisen“ wieder möglich wäre und wie und ob eine Weltreise Anfang 2022 überhaupt realistisch ist. Dieses Risiko mussten und wollten wir in Kauf nehmen.

Die globale Ungewissheit und die damit einhergehenden Verschiebungen waren der größte Zweifel, aber natürlich hatten wir auch ein paar weitere Bedenken. Seien es negative Reaktionen aus dem Bekannten- und Familienkreis, die berufliche Perspektive oder einfach Dinge, die man vermissen wird: Freunde, Familie, Kollegen, Vereinssport, Feiern, die Gewohnheit, der Alltag und vielleicht sogar den Job – whatever. Wir waren mit unserem Leben bis zur Weltreise ja zufrieden. Aber dann denken wir immer: Wir kommen ja wieder! Das alles wird weiter gehen, auch nach der Reise. 

Motivation

Auch wenn wir zuvor nie ernsthaft mit dem Gedanken einer Weltreise gespielt haben, wurde uns bei den Recherchen schnell klar: Zur Realisierung gehört zwar viel Geduld und Planung, aber es ist viel realistischer und machbarer als wir geglaubt haben. Aber was erhoffen wir uns grundsätzlich von einer Weltreise und was ist die Motivation dahinter?

Wir wollten in der Vergangenheit aus unseren 24 bis 28 Tagen Jahresurlaub das Maximum rausholen und haben auf unseren Reisen stets ein straffes Programm durchgezogen, um in der kurzen Zeit möglichst viel mitzunehmen. Auf Weltreise können wir das endlich ablegen und uns viel mehr treiben lassen, ohne den Zeitdruck, in X Tagen wieder zurückfliegen zu müssen. Das macht das Reisen so viel entspannter!

Stell dir vor, du stehst nach deinem Urlaub am Flughafen und steigst nicht wieder in den Flieger nach Hause, sondern es geht direkt weiter zum nächsten Abenteuer. Irgendwie surreal, aber auf Weltreise Realität. Erstmal ein komisches Gefühl, nie „heim“ zu kommen – aber auch total befreiend.

Egal ob wandern in der Natur, chillen am Strand, Big-City-Life oder Adventure: Die Welt steht einem (mehr oder weniger) offen und wir können entscheiden, wo es lang geht und was wir machen. Natürlich begrenzt das Preisniveau die Auswahl der Länder etwas, aber man hat trotzdem die Qual der Wahl und verirrt sich auch mal in Regionen, die man vorher vielleicht gar nicht auf dem Schirm hatte.

Als Paar auf Weltreise zu gehen, ist ein Abenteuer und sorgt für unendlich viele gemeinsame Erinnerungen, auf die man ein Leben lang zurückblicken kann. Was kann es Schöneres geben, als all das mit dem Menschen zu erleben, den man liebt?

Wir sehen die Weltreise jetzt nicht großartig als bewusstseinsveränderndes Ereignis oder den heiligen Gral der Selbstverwirklichung, aber wir haben jetzt die Möglichkeit, uns Dingen zu widmen, für die man im Alltag oft keine Zeit (oder meistens zu viele Ausreden) findet. Sei es der Sprachkurs im Mittelamerika, um immerhin mal ein paar Brocken Spanisch zu lernen, ein neues Hobby wie Videografie und Bloggen oder einfach mehr Zeit in der Natur zu verbringen.

Dazu wird man in vielen Bereichen des Lebens mal seine Grenzen testen müssen und lebt, anders als im Alltag, öfters am Rand oder auch außerhalb der Komfortzone. Der Begriff und dieses Mantra mögen abgedroschen klingeln, aber es stimmt trotzdem – denn man lernt ständig neue Leute, Länder und Kulturen kennen und sammelt unendlich viele Eindrücke und einmalige Erinnerungen.

Im Endeffekt war es uns wichtig, trotz aller Zweifel und Verschiebungen die Reise durchzuziehen. Die ganze Pandemie hat uns in vielen Bereichen des Lebens unsere Grenzen, aber auch unsere Privilegien offenbart und zudem gezeigt, dass globales und freies Reisen nicht selbstverständlich ist. Umso mehr genießen wir jetzt diese einmalige Chance, unsere wundervolle Welt in ihrer ganzen Vielfalt zu entdecken.