Durmitor Nationalpark

Montenegro

Montenegros grüner Norden

Ein ganz besonderes Highlight unserer Reise durch Montenegro haben wir uns bis ganz zum Schluss aufgehoben: Den Durmitor Nationalpark. Nachdem wir einige Tage an der Bucht von Kotor verbracht hatten, machten wir uns auf den Weg in den Norden des Landes. Der Abschied von Küste und Meer fiel nicht leicht, aber was uns im Landesinneren erwartete, war absolut beeindruckend! Von Risan an der Bucht von Kotor haben wir mit dem Auto circa zweieinhalb Stunden gebraucht, von der Hauptstadt Podgorica ist man gut zwei Stunden unterwegs.

Der Durmitor Nationalpark ist der größte Nationalpark Montenegros und gehört seit 1980 zum UNESCO-Weltnaturerbe. Er wartet auf mit beeindruckenden Bergen, malerischen Seen und der tiefsten Schlucht Europas. Nicht nur Freunde des Wanderns (und im Winter auch vom Skifahren) kommen hier voll auf ihre Kosten, sondern auch alle, die auf Abenteuer stehen: Rafting, Canyoning, Zipline – Adrenalin ist hier garantiert!

Zabljak - Der Ausgangsort

Als unsere Homebase im Durmitor Nationalpark haben wir Zabljak gewählt. Der Ort ist zwar mit seinen rund 2000 Einwohnern nicht besonders groß, bildet aber das touristische Zentrum des Nationalparks. Deswegen ist vor Ort auch alles auf Gäste ausgerichtet: Es gibt Unterkünfte für jedes Budget, jede Menge Restaurants sowie Supermärkte, Bäckereien und ATMs.

Apartmani Andela in Zabljak
Basic - aber gemütlich und günstig

Für unsere vier Nächte in Zabljak haben wir das Apartmanti Andela* gewählt. Das liegt ein wenig außerhalb des eigentlichen Ortes, was für uns aber kein Nachteil war, weil wir dank unseres Mietwagens ja flexibel waren. Für ein kleines Apartment mit zwei Zimmern inklusive kleiner Küche und Bad haben wir pro Nacht 20€ gezahlt – ein mehr als fairer Preis für eine wirklich gemütliche und komfortable Unterkunft! 

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Montenegros schönsten Seen

Bestimmt sind alle 18 Gletscherseen des Durmitor Nationalparks einen Besuch wert – aber so viel Zeit hatten wir natürlich nicht und so haben wir uns für drei Seen entschieden: Zuerst waren wir am Crno Jezero (Black Lake), der auch deswegen einer der bekanntesten Ausflugsziele in der Region ist, weil er von Zabljak aus nur wenige Minuten mit dem Auto entfernt liegt und selbst zu Fuß gut zu erreichen ist. Den Besuch kann man super mit einem Abstecher zum Zminje Jezero (Snake Lake) verbinden: Eine circa einstündige Wanderung durch den Wald führt zu dem kleineren Nachbarsee. Zu guter Letzt sind wir noch zum Vrazje Lake gefahren, der auch nicht weit weg von Zabljak liegt, einen aber durch seine ganz besondere Landschaft in eine ganz andere Welt versetzt!

Black Lake

Panorama aus Wald, See und Bergen
Rundweg um den Black Lake

Glasklares Wasser, das je nach Sonneneinstrahlung mystisch dunkel, fast schwarz aussieht, ein paar Boote, die gemächlich über den See schippern, rundherum tiefgrüne Nadelbäume und ein beeindruckendes Bergpanorama: Der Black Lake ist zurecht einer der Must-do’s für Touristen, denn die ganze Kulisse ist auf jeden Fall ein Highlight des gesamten Nationalparks! Und das Schönste: Durch die Weitläufigkeit verteilen sich die Besucher total und es wirkt überhaupt nicht überlaufen.

Der Black Lake liegt nur rund 2,5 Kilometer von Zabljak entfernt und ist somit gut zu Fuß zu erreichen. Wer lieber mit dem Auto kommt, findet aber auch einen großen Parkplatz und weitere Parkmöglichkeiten an der Straße. Das kostet offiziell 2 Euro Parkgebühren, dazu kommen 3 Euro Eintritt für den Nationalpark. Der Black Lake ist übrigens auch Ausgangspunkt für zahlreiche Wanderungen in der Umgebung.

Wir haben den Anblick auf den See einfach vom Ufer aus auf uns wirken lassen (was schon beeindruckend genug ist), aber wer Lust hat, sich eine Weile auf dem Wasser aufzuhalten, kann sich vor Ort auch ein Paddelboot mieten. Ansonsten gibt es Wege, die rund um den See führen und oberhalb des Sees auch ein Restaurant, von wo aus man die Umgebung mit einem Kaffee in der Hand auf sich wirken lassen kann.

Zminje Lake

Mit dem Black Lake kann der Zminje Jezero (Snake Lake) nicht mithalten, so ehrlich wollen wir sein. Aber dadurch, dass er nur wenige Kilometer entfernt liegt und wir ohnehin Lust auf eine kleine Wanderung hatten, hat sich der Abstecher für uns angeboten. Lass dich von den Wegweisern vor Ort nicht verunsichern: Dort steht, es dauere zwei Stunden Oneway zum Snake Lake. Wir haben alles in allem, also für Hin- und Rückweg sowie den Aufenthalt am See, insgesamt zwei Stunden gebraucht. Der Weg macht Spaß zu laufen, ist nicht sehr herausfordernd, aber auch nicht langweilig.

Am Ufer des Snake Lakes
Mittagspause am See

Der Snake Lake ist deutlich kleiner, abgelegener und nicht soo beeindruckend wie der Black Lake, dafür aber auch so gut wie gar nicht besucht. Außer uns war nur eine Handvoll anderer Menschen dort, die sich gemütlich in Gras gelegt hatten oder so wie wir ein Päuschen auf den Picknickbänken machten. Unser Fazit: Der Snake Lake ist kein Must-do, aber wer Zeit und Lust auf eine kleine Wanderung in der Gegend hat, wird es nicht bereuen.

Vrazje Lake

Den weniger bekannten Vrazje Jezero (Devils Lake) hatten wir zunächst gar nicht so auf dem Schirm. Wir haben uns spontan dazu entschieden, ihm einen Besuch abzustatten und können im Nachhinein sagen: Der Vrazje Lake sollte auf jeden Fall auf deiner To do-Liste stehen, wenn du im Durmitor Nationalpark bist! Man fährt nur knappe 20 Minuten aus Zabljak raus und kommt doch in einer völlig anderen Welt an: Die Landschaft ist auf einmal total verändert, es wachsen kaum mehr Bäume, stattdessen Gras und Gestrüpp, das zumindest bei unserem Besuch im Spätsommer sehr trocken war und dadurch die ganze Landschaft gelb/braun leuchten ließ.

Ganz andere Landschaft
Gräser um den Vrazje Lake
Traumhaft schöne Landschaft

Mittendrin liegt der Devils Lake mit seinem in der Mitte tiefblauem, an den Ufern türkisfarbenem Wasser – eine wirklich beeindruckende Kulisse! Und der See sieht nicht nur toll aus, sondern dient auch als Wasserquelle für die Tiere in der Umgebung. Als wir dort waren, kamen sowohl eine riesige Schafsherde als auch zahlreiche Kühe zum Trinken an den See und zogen danach weiter. Menschen haben wir dagegen nur wenige gesehen. Den tollsten Blick hat man übrigens von oben, also kletter unbedingt auf die umliegenden Hügel und genießt die fast surreal wirkende Landschaft!

Tara-SChlucht

Wer hätte gedacht, dass sich eine der tiefsten Schluchten weltweit in Montenegro befindet? Die Tara Schlucht darf sich damit zurecht als Grand Canyon Europas bezeichnen – an ihrer tiefsten Stelle geht es bis zu 1300 Meter in die Tiefe. Damit ist sie natürlich eines der absoluten Must-see’s des Durmitor Nationalparks und sollte bei keinem Besuch fehlen! Und es geht noch weiter mit Superlativen: Durch die Schlucht fließt die Tara, mit rund 140 Kilometern der längste Fluss des Landes. Den besten Blick hat man von der Durdevica-Brücke – dahin braucht man von Zabljak aus mit dem Auto gut 25 Minuten.

Durdevica-Brücke

Den besten Blick auf die spektakuläre Tara-Schlucht und den gleichnamigen Fluss bietet die Durdevica-Brücke, die 350 Meter lang und bis zu 150 Meter hoch ist. Was wir besonders beeindruckend finden: Die Brücke wurde in nur zwei Jahren erbaut!

Die Durdevica Brücke
Blick in die Tara Schlucht

Früher konnte man von ihr auch Bungee Jumping machen – das wurde vor einigen Jahren allerdings eingestellt. Das Problem: Die Brücke ist nicht besonders breit, aber in der Gegend eine der wichtigsten Verkehrsachsen. Durch die Bungee Jumper kam es wohl vermehrt zu Staus, weshalb es aktuell nicht mehr angeboten wird. Aber die Brücke ist nach wie vor der perfekte Ausgangspunkt für andere actionreiche Aktivitäten.

Rafting und Zipline

Wer also Lust auf Abenteuer hat, kommt hier auf jeden Fall auf seine Kosten. Mehrere Anbieter für Rafting, Canyoning und Ziplines haben ihre Büros rund um die Durdevica-Brücke angesiedelt. Wir haben vor Ort eine Raftingtour für den nächsten Tag gebucht – das geht recht spontan, du musst also nicht weit im Voraus planen. Wir haben uns für eine Halbtagestour für 45 Euro entschieden, die insgesamt vier Stunden gedauert hat, wovon wir zwei Stunden auf dem Wasser waren. Es gibt auch Ganztagestouren, die dementsprechend mehr kosten.

Weil die Tara zahlreiche Stromschnellen hat, hatten wir uns auf eine abenteuerliche Rafting-Erfahrung eingestellt – bekamen im Endeffekt aber eher eine ruhige Bootstour. Weil der Wasserstand bei unserem Besuch im September so niedrig war, waren die Stromschnellen ziemlich harmlos – für Familien und Einsteiger bestimmt gut geeignet. Im Frühling und Frühsommer, wenn das Gletschereis schmilzt und der Wasserpegel steigt, sollen die Touren wesentlich abenteuerlicher sein.

Uns hat es trotzdem Spaß gemacht und wir finden: Allein für die Kulisse lohnt es sich! Das Wasser ist glasklar (man kann es sogar trinken), wir hatten bestes Wetter, man ist umgeben von beeindruckenden Felsen, fährt unter der Durdevica-Brücke durch und nimmt die Schlucht einfach nochmal aus einer ganz anderen Perspektive wahr. Wir haben auf der Raftingtour auch zwei kleine Stopps gemacht: einmal an einem Wasserfall und einmal zum Felsenspringen – letzteres war definitiv ein Highlight!

Sprung in den kalten Tara Fluss
Entspanntes Rafing Ende des Sommers
ZIP Line über den Tara Canyon

Danach haben wir es uns nicht nehmen lassen, die Schlucht mit einer Zipline auch aus der Vogelperspektive zu erleben – und würden es definitiv weiterempfehlen! Auch hier gibt es an der Durdevica-Brücke wieder mehrere Anbieter mit unterschiedlichen Lines, die sich in Länge und Preis (zwischen 10€ und 20€) unterscheiden – da muss jeder einfach für sich schauen, was ihn am meisten anspricht. Natürlich ist eine Fahrt mit der Zipline ein vergleichsweise teures und kurzes Vergnügen, aber es lohnt sich! Denn mit bis zu 70 km/h über die Schlucht zu stürzen, direkt neben der Tara Bridge und über dem Tara River, ist schon ein wahnsinnig aufregendes Erlebnis.

Bobotov Kuk

Mit seinen knapp 50 Bergen über 2000 Metern bietet der Durmitor Nationalpark natürlich viele lohnenswerte Wanderungen – aber für uns stand fest: Wir wollen den höchsten Punkt Montenegros erklimmen: den 2523 Meter hohen Bobotov Kuk! (Um ganz korrekt zu sein: An der Grenze zu Albanien gibt es zwei minimal höhere Berge – die liegen allerdings nicht komplett in Montenegro, weshalb der Bobotov Kuk in der Regel als höchster Berg des Landes bezeichnet wird.)

Die Wanderung auf diesen kann man direkt in Zabljak starten oder vom sogenannten Sedlo Pass aus, der auf 1908 Meter Höhe liegt. Wir haben uns für zweites entschieden und dorthin mit dem Auto aus Zabljak 25 Minuten gebraucht.

Aufstieg zum Gipfel

Für die Wanderung auf den Bobotov Kuk sollte man grob 6 bis 8 Stunden einplanen, weshalb unser Tag relativ früh anfing. Wichtig: Nimm dir auf jeden Fall etwas zu essen und vor allem genügend Wasser mit, denn auf der gesamten Wanderung gibt es keine Bewirtung! Außerdem solltest du, egal zu welcher Jahreszeit, eine Jacke oder einen Pulli einpacken, denn es kann stellenweise ganz schön windig werden! Wanderschuhe werden empfohlen und sind sicherlich auch sinnvoll. Wir hatten nur Turnschuhe an, was auch machbar ist, aber achte darauf, dass sie ein gutes Profil haben. Man muss definitiv kein Wanderprofi sein, um den Bobotov Kuk zu erklimmen, aber du solltest die Wanderung auch nicht auf die leichte Schulter nehmen. Sie ist auf jeden Fall herausfordernd und eine gewisse Fitness sollte man mitbringen.

Start der Wanderung
Enge Passage beim Aufstieg
Panorama vom Gipfel

Verlaufen kann man sich nicht, denn zum einen sind in der Regel viele Wanderer unterwegs und zum anderen sind die Wege hervorragend markiert. Die ersten zwei Stunden des Wegs führen durch grüne Landschaften und das Gehen ist recht entspannt: Man läuft ein Stück eben, dann geht es abwechselnd hoch und runter. Das bedeutet aber auch: Man legt insgesamt nicht nur 600 Höhenmeter pro Strecke zurück, sondern durch das ganze Auf und Ab über 900 Höhenmeter pro Weg! Zu Beginn der Wanderung sieht man den Bobotov Kuk auch noch gar nicht – aber nach circa zwei Stunden türmt er sich dann vor einem auf. Die Landschaft wechselt zu schroffen Felsen und als wir so vor dem Bobotov Kuk standen, wirkte er mit seinen scharfen Kanten schon sehr abweisend auf uns. An der Stelle beginnt dann auch der anstrengende Teil der Wanderung, denn es geht bis zum Gipfel steil nach oben. Nach einer Weile kommt man an ein Plateau, das schon einen tollen Blick über das Tal und auf Zabljak und den Black Lake bietet. Der Ort bietet sich für eine Pause an, bevor dann das finale Stück ansteht. Den letzten Teil kurz vor dem Gipfel klettert man eigentlich nur noch, erst über große Felsen, dann mit Hilfe von Seilen – und dann hat man es geschafft: Oben angekommen liegt dir ganz Montenegro zu Füßen! Es bietet sich ein wirklich beeindruckender 360-Grad-Blick auf das umliegende Durmitor Massiv – dafür lohnt sich der Aufstieg definitiv! Statt einem Gipfelkreuz gibt es ein Buch, in dem man sich verewigen kann.

Runter geht es denselben Weg zurück, wobei man den nicht unterschätzen sollte: Die Geröllfelder sind bergab herausfordernder als bergauf, man muss also stets konzentriert bleiben. Gerade der letzt Teil des Wegs, der einem auf dem Hinweg noch so entspannt vorkam, zieht sich ganz schön in die Länge. Als nach Stunden endlich der Parkplatz vor uns auftauchte, waren wir auch langsam am Ende unserer Kräfte. Aber das Gefühl von Stolz, den höchsten Punkt des Landes erklommen zu haben, ist jede Strapaze wert! 

Der Blog als Vlog

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Durmitor Nationalpark - Fazit

Wie du wahrscheinlich gemerkt hast, sind wir absolut begeistert vom Durmitor Nationalpark und dessen beeindruckender Natur und würden jedem eine Reise dorthin ans Herz legen! Und zum Schluss haben wir noch einen Gastrotipp: Das Restaurant Cudna Suma in Zabljak. Wir haben uns dort an unserem letzten Abend, nach dem Aufstieg auf den Bobotov Kuk, Pizza und Palatschinken gegönnt und es war die beste Restaurant-Erfahrung in ganz Montenegro! Die Preise sind mehr als fair, das Ambiente, das wir als Mischung aus Skihütte und Irish Pub bezeichnen würden, richtig cool und das Essen super lecker!

Falls du mehr über Montenegro erfahren möchtest, schau gerne mal bei unserem Länderguide oder unseren anderen Blogposts vorbei.