7-Day Itinerary

El Salvador

Ist es wirklich sicher?

Bei Reisen nach Mittelamerika steht der Aspekt Sicherheit ständig im Fokus. Ganz besonders in El Salvador, das in Deutschland überwiegend durch Kriminalität, Drogenkrieg und hohe Mordraten Schlagzeilen macht. Aber warum sollte man in ein Land reisen, das augenscheinlich so gefährlich ist? Ganz einfach: Weil die Realität ganz anders aussieht – zumindest für Touristen. 

Trotzdem wollen wir nicht den Anschein erwecken, es herrsche in El Salvador nur heile Welt. Ganz im Gegenteil: Zwei Tage nach unserer Abreise wurden 62 Menschen bei Konflikten zwischen verschiedenen Gangs an nur einem Tag ermordet und über 1000 daraufhin inhaftiert. Das gehört genauso zur Realität, wie dass Touristen davon nur in absoluten Ausnahmefällen betroffen sind. Wir waren eine Woche im Land und haben uns nicht nur sicher gefühlt, sondern hatten ein extrem authentisches Reiseerlebnis mitten im Leben der El Salvadorianer und wurden so herzlich empfangen, wie kaum sonst wo auf der Welt! Aber seht selbst.

Authentizität abseits der Massen

Santa Ana - Die schönste Stadt des Landes

Santa Ana gilt als die schönste Stadt des Landes und war unser erster Stopp in El Salvador. Sie liegt im Nordwesten und ist mit ihren 250.000 Einwohnern nach der Hauptstadt San Salvador die zweitgrößte Stadt. Allerdings hatten wir nie das Gefühl, uns in einer großen City zu befinden, denn das Zentrum ist echt überschaubar. Wie in vielen mittelamerikanischen Städten spielt sich das Leben rund um einen zentralen Platz ab: den Parque Libertad, um den herum prachtvolle Gebäude wie das Rathaus, das Theater und eine große weiße Kathedrale (die uns an den Mailänder Dom erinnert hat) stehen. Insgesamt ist Santa Ana eine schöne, aber keineswegs perfekte Stadt: An machen Ecken ist es etwas ranzig, aber auch das hat seinen Charme und ist vor allem authentisch und echt. Denn: Man trifft kaum andere Touristen.

Vulkan Santa Ana - Ilamatepec

Santa Ana ist der perfekte Ausgangsort für eine Tour zum Ilamatepec (oft auch einfach Santa Ana Vulkan genannt). Dieser ist mit seinen 2381 Metern der höchste Vulkan El Salvadors und auch noch aktiv. Die Wanderung ist nicht sonderlich herausfordernd, du brauchst also keine besonders gute Kondition. Los geht es in Santa Ana mit dem Chickenbus. Die Station heißt La Vencedora, du zahlst 70 Cent, nimmst Bus 239 in Richtung Cerro Verde und bist dann circa zwei Stunden unterwegs.

Am Ziel angekommen musst du einen Guide bezahlen – das ist obligatorisch und kostet dich 3 Dollar pro Person. Im Endeffekt musst du nicht mit dem Guide hochlaufen, wir haben uns auch schnell von unserer Gruppe gelöst und sind alleine hoch. Der Weg ist eindeutig und Sicherheitsbedenken brauchst du keine haben. Nach ein paar Minuten kommst du zum Eingang des Nationalparks, wo weitere 6 Dollar fällig werden. Dann folgt der Aufstieg, für den wir circa eineinhalb Stunden gebraucht haben.

Die Wanderung ist recht easy, macht aber Spaß, weil der Weg sehr abwechslungsreich und die Landschaften toll sind. Das Coolste dabei ist der Blick auf den Vulkan Izalco, der nur ein paar Kilometer entfernt liegt. Am Gipfel angekommen wird die Sicht noch besser: Bei gutem Wetter kann man auch den nahegelegenen See Coatepeque sehen – ein richtig cooles Panorama! Aber der Santa Ana Vulkan selbst ist noch beeindruckender: Denn er hat einen Kratersee, der in einem grellen türkis schimmert, außerdem kann man Schwefelschwaden aufsteigen sehen – und die riecht man auch! Da wird einem auf jeden Fall bewusst, dass dieser Vulkan noch aktiv ist.

Beim Abstieg solltest du die Fahrzeiten der Chickenbusse beachten: Einer fährt um 13 Uhr, der nächste erst wieder um 16 Uhr. Da der Abstieg circa eine Stunde dauert, solltest du früh genug los, wenn du den 13 Uhr Bus anpeilst. Wir haben diesen leider verpasst, was im Endeffekt aber eigentlich gar nicht schlimm war. Zusammen mit ein paar anderen Reisenden sind wir gehitchhiked. Zwei Pick-up-Fahrer waren so nett, uns auf ihrer Ladefläche mitzunehmen und zurück nach Santa Ana zu fahren – ein super cooles Erlebnis!

Lago de Coatepeque - Abkühlung in Bilderbuchkulisse

Auch der See Coatepeque liegt nicht weit von Santa Ana entfernt und bietet sich deshalb für einen Tagesausflug an. Es gibt aber auch coole Unterkünfte am Lake, falls du lieber eine oder mehrere Nächte hier verbringen willst. Coatepeque gilt als einer der schönsten Seen Mittelamerikas und ist – wie sollte es in dieser Gegend anders sein – vulkanischen Ursprungs.

Da wir kurz vorher am Lake Atitlán in Guatemala waren, haben wir den See leider geskipped, das hinterher aber ein bisschen bereut, weil er wirklich schön aussieht. Der Place to be für Backpacker ist auf jeden Fall das Captain Morgan Hostal direkt am See – allerdings solltest du dich darauf einstellen, dass es dort etwas trubeliger und lauter sein kann. Das Ambiente sieht aber super chillig aus!

Der Blog als Vlog

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Die Ruta de Las Flores

Eine der Must-do’s in El Salvador ist die Ruta de las Flores (= die Straße der Blumen). Das ist eine Gegend, die ihren Namen den Wildblumen, die zwischen November und Februar blühen, verdankt – aber auch außerhalb dieser Zeit lohnt sich ein Besuch auf jeden Fall! Die Ruta de las Flores ist im wesentlichen eine malerische Straße, die die sechs Städtchen Nahuizalco, Salcoatitán, Juayúa, Apaneca, Ataco und Ahuachapán miteinander verbindet. Drum herum finden sich zahlreiche Kaffeeplantagen.

Wir haben drei Nächte in Juayúa verbracht und waren sehr angetan. Das Städtchen ist klein und ruhig, hat super hübsche Ecken und wir haben uns von Anfang an wohlgefühlt. Tipp: Jedes Wochenende gibt es hier ein Foodfestival, das sowohl Locals als auch Touristen anlockt!

Must do - Las Siete Cascadas

Neben der Wanderung auf den Santa Ana Vulkan war das Coolste, was wir in EL Salvador gemacht haben, eine Tour zu den Siete Cascadas (= sieben Wasserfällen). Rund um Juayúa gibt es zahlreiche Wasserfälle und einen davon, die Chorros de la Calera kann man auch auf eigene Faust besuchen. Willst du mehrere Wasserfälle sehen, so wie wir, solltest du allerdings eine Tour buchen, denn man braucht auf jeden Fall Ortskenntnisse, um sie zu finden! Wir haben unsere Tour mit zwei weibliche Guides (Tours Siete Cascadas) über unser Hostel gebucht und dafür 15 Dollar pro Person bezahlt.

Wir wurden morgens von einem Pick-up im Hostel abgeholt und sind rund zwanzig Minuten zum Startpunkt der Wanderung gefahren. Von da aus ging es dann auch gleich rein in die Natur und ab zum ersten Wasserfall. Die Tour hat drei Stunden gedauert und wir haben – bei dem Namen keine große Überraschung – sieben Wasserfälle gesehen. Manche hatten mehr, manche weniger Wasser, aber am schönsten fanden wir gleich den allerersten! Du solltest auf jeden Fall Badesachen oder Kleidung, die nass werden kann, anziehen, denn du wirst du auf jeden Fall nass, da die Tour einige Canyoning-Elemente enthält.

Das absolute Highlight ist der vierte Wasserfall, denn diesen klettert man rauf! Der erste Teil ist komplett ohne Sicherung: Die Guides haben uns gezeigt, wo wir hintreten und uns festhalten sollen, aber ansonsten waren wir einfach auf unsere Kletterkünste angewiesen. Beim oberen Stück kommt dann ein Seil zu Hilfe, an dem man sich hoch hangeln kann. Das Ganze ist schon echt ein verrücktes Gefühl, weil der Wasserfall ziemlich hoch und natürlich sehr rutschig ist. Also auf jeden Fall eine abenteuerliche Angelegenheit, aber uns hat es mega viel Spaß gemacht!

Die Hauptstadt - San Salvador

Wie eingangs erwähnt, hat El Salvador nicht den besten Ruf – und das gilt besonders für die Hauptstadt. Wir hatten San Salvador ursprünglich auch nicht auf dem Schirm, mussten dann aber für einen PCR-Test (für unsere Weiterreise nach Nicaragua) dorthin. Und was sollen wir sagen: Unsere Erfahrung war total positiv und wir haben uns jederzeit wohlgefühlt.

Natürlich gibt es Ecken, die man meiden sollte – wie in fast jeder großen Stadt. Aber wie überall in El Salvador sind wir auch hier auf sehr nette Menschen gestoßen. Generell ist der amerikanische Einfluss spürbar: Das merkt man an Kleidung und Musik – aber vor allem an der Sprache. Anders als in Guatemala haben wir viele Menschen getroffen, die gut Englisch sprechen – so kommt man dann auch schneller mit Locals ins Gespräch.

Where to Stay & Do to's

San Salvador ist riesig, die Metropolregion hat mehr als 1,74 Millionen Einwohner und unfassbar viele Stadtviertel. Als eines der sichersten und schönsten gilt bei Reisenden San Benito. Auch die angrenzenden Viertel Escalon und Zona Rosa sind beliebt. Wir haben uns San Benito einen halben Tag lang angeschaut und fanden es zwar schön, aber fast schon zu perfekt. Man merkt, dass es ein sehr reiches Viertel ist, man sieht viele riesige Häuser und Villen hinter hohen Mauern und teure Autos. Das geht dann doch an der Lebensrealität der meisten El Salvadorianer vorbei. Aber einen Gastrotipp haben wir: Wenn ihr vor Ort seid, solltet ihr der Soya Nutribar einen Besuch abstatten. Im begrünten Garten kann man sehr schön sitzen und auf der Karte stehen viele vegetarische Optionen. Außerdem gibt es einen Bioladen und viele Accessoires und Schmuck zu kaufen.

Unser Hostel Happy House lag im Viertel Colonia Miramonte und auch da haben wir uns wohlgefühlt – auch als wir im Dunkeln nach Hause gelaufen sind. Auch hier haben wir einen Restauranttipp: Clavo & Canela hat einige vegetarische Optionen und sehr leckere Pasta. Besonders angetan hat es uns allerdings das historische Zentrum der Stadt. Hier gibt es einen großen Markt und einen zentralen Platz mit einer riesigen weißen Kathedrale. Dort sind wir den ganzen Tag über nur zwei weiteren Touristen begegnet – hier kann man also wirklich noch ins Locallife eintauchen!

Fazit

Ursprünglich hatten wir El Salvador nur als Transitland zwischen Guatemala und Nicaragua eingeplant. Im Endeffekt haben wir eine Woche dort verbracht und festgestellt: Dieses Land, das international vor allem durch negative Schlagzeilen in Bezug auf Kriminalität bekannt ist, bietet wirklich schöne Ecken! An Authentizität ist es sowieso nicht zu überbieten, da sich nur sehr wenige Touristen nach El Salvador verirren – zumindest abseits von dem beliebten Strandort El Tunco.

Dort wollten wir eigentlich auch gerne hin, haben aber keine Unterkunft in unserem Budget gefunden. Denn das muss man auch sagen: El Salvador ist vergleichsweise teuer, wir haben definitiv mehr Geld für den gleichen Standard ausgegeben als in Guatemala und Nicaragua. Dafür haben uns die Einheimischen mit offenen Armen empfangen und waren immer zuvorkommend und extrem freundlich. Nirgendwo anders haben wir so schnell mit Locals connected wie in El Salvador!