Quetzaltenango (Xela)

Guatemala

Guatemalas Hidden Gem

Die zweitgrößte Stadt Guatemalas als Hidden Gem zu bezeichnen, mag auf den ersten Blick etwas weit hergeholt klingen. Aber: Aus touristischer Sicht können wir das nach ein paar Tagen vor Ort guten Gewissens behaupten. Denn nur wenige Backpacker nehmen Xela auf ihrer Rundreise mit; die meisten reisen vom Lake Atitlán direkt nach Semuc Champey oder vice versa. Dabei ist Xela zu skippen ein riesiger Fehler! Warum?

Xela, offiziell Quetzaltenango, repräsentiert das authentische Leben in Guatemala, hat unfassbar viele schöne Ecken und liegt zudem in atemberaubender Landschaft umgeben von mehreren Vulkanen, von denen einer sogar noch aktiv ist. Man begegnet kaum anderen Touristen und trotz der 150.000 Einwohner ist die Stadt muy tranquillo und versprüht ehrlicherweise kaum Großstadtflair, hat also einen ruhigen und entspannten Vibe. Hier erfährst du, wie du am günstigsten hinkommst, in welchem Viertel du übernachten solltest und was es so zu tun gibt!

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Anreise mit dem Chickenbus

Um schon vor der Ankunft in Xela in das authentische Leben der Guatemalteken einzutauchen, empfehlen wir dir die Anreise mit dem Chickenbus. Chickenbusse sind alte amerikanische Schulbusse, die bunt lackiert sind und das Grundgerüst des regionalen Nah- und Fernverkehrs in Guatemala darstellen. Der Name rührt daher, dass in den Bussen neben Menschen und Gepäck auch hin und wieder mal ein paar Hühnchen transportiert werden. Jede Fahrt ist ein Abenteuer, denn aus den Boxen dröhnt laute Musik und die Busfahrer verdienen eher den Titel Rennfahrer. Dafür kostet eine Fahrt im Chickenbus nur einen Bruchteil der sonst üblichen Shuttles und auf kurzen bis mittleren Distanzen ist man genauso schnell am Ziel.

Am besten erreicht man Xela vom Lake Atitlán, der wohl bei jedem auf der Bucketlist einer Guatemalareise steht (völlig zurecht!). Als Ausgangsort empfiehlt sich Panajachel, da sowohl Pana als auch Xela in der Nähe des Panamerican Highway liegen. Angeblich gibt es auch einen direkten Bus von Pana nach Xela, aber wir sind in Sololá und Los Encuentros umgestiegen. Klingt jetzt schon viel komplizierter als es wirklich ist. Steig in Pana einfach auf der Calle Principal auf der gegenüberliegenden Seite des Supermercados La Torre in einen Bus nach Sololá. Frag einfach nach, wenn du einen Bus halten siehst. Aber in die Richtung halten fast alle Busse in Sololá. Von da an kannst du dich einfach treiben lassen. Beim Ausstieg in Sololá wirst du direkt gefragt, wo du hin möchtest. Sag einfach nur Los Encuentros und jemand wird dich schon zum richtigen Bus führen. Von Los Encuentros nach Xela genau das gleiche. Es ist super easy und wir haben nie auf den nächsten Bus warten müssen. Eine kurze Übersicht der Dauer und der Preise:

  • Panajachel – Sololá: 20 Minuten, 5 GTQ (0,58€)
  • Sololá – Los Encuentros: 40 Minuten, 3,50 GTQ (0,41€)
  • Los Encuentros – Xela: 2 Stunden, 25 GTQ (2,92€)

In Xela kommst du am Busterminal Minerva an, wo auch ein riesiger Markt ist (Mercado el Terminal). Uns wurde gesagt, um ins Stadtzentrum zu kommen, müssen wir einmal quer über den Markt in Richtung der 4a Calle, wo der Minerva Temple ist. Von da aus kann man ein Taxi oder Collectivo (die Minivans mit offenen Seitentüren) nehmen. Bei uns hat das Collectivo 20 Minuten zum Parque Centro América gebraucht und 10 GTQ gekostet.

Wir hatten nach Ankunft im Busterminal absolut keine Ahnung wohin wir müssen, aber die Leute sind sehr hilfsbereit und als Tourist sticht man aus der Masse heraus. Wenn du etwas orientierungslos ausschaust, wird dich schon jemand ansprechen und helfen. Achte nur darauf, früh genug in Pana los zu fahren, damit du im hellen in Xela ankommst. Wir sind so gegen 11:30 Uhr in Pana los und waren ungefähr um 15 Uhr im Hostel in Xela. In Summe hat das ganze pro Person nicht mal 5€ gekostet. Zum Vergleich: Ein Shuttle kostet so ungefähr 25€. Und die Experience mit dem Chickenbus ist nochmal ein Bonus und dauert nur minimal länger. Sicherheitsbedenken hatten wir zu keiner Zeit. Im Gegenteil: Wir waren von der ehrlichen Hilfsbereitschaft der Einheimischen positiv überrascht.

Highlights & To do's

Bevor wir zu den Highlights kommen, noch kurz ein paar Worte zur Unterkunft: Wir würden empfehlen, rund um den Parque Centro América unterzukommen. Zum einen ist es der zentrale Platz in der Stadt, zum anderen ist die Anlage wunderschön und lohnt sowieso einen Besuch. Wir haben im Hotel Kasa Kamelot Central übernachtet, aber auch das Kiwi Hostel und das Hostel Casa Seibel sollen gut sein.

Der Parque Centro América ist der zentrale Platz von Xela und noch dazu wunderschön: Rund herum stehen viele alte prachtvolle Gebäude, dazu kommen Restaurants und die beste Bäckerei der Stadt und der Park selbst dient als Treffpunkt für Einheimische.

Der Cerro el Baul ist ein Mirador (Aussichtspunkt) am Rande der Stadt, von dem aus man einen tollen Blick über ganz Xela hat. Man kann mit dem Auto hochfahren, aber es lohnt sich auch, den Wanderweg zu laufen. Oben  herrscht ein wuseliges Treiben, Kinder spielen auf dem Spielplatz, Familien grillen, Menschen sitzen zusammen und genießen in der Parkanlage ihre Freizeit.

Der Santiaguito ist einer der drei daueraktiven Vulkane in Guatemala und der Grund, warum wir nach Xela gefahren sind. Bei einer Wanderung auf den benachbarten größeren Santa Maria Vulkan kann man einen spektakulären Blick auf den Santiaguito werfen und ihn beim Brodeln beobachten.

Parque Centro América

In jeder guatemaltekischen Stadt gibt es einen zentralen Platz, auf dem sich das Leben abspielt. In Xela ist das der Parque Centro América im Süden des Ortes. Wie bereits erwähnt, lag unsere Unterkunft ganz in der Nähe und wir fanden, das war der ideale Ausgangspunkt zum Erkunden der Stadt. Im Park ist zu jeder Tageszeit was los, denn es ein Ort, an dem Locals zusammen kommen. Der Park selbst ist nicht besonders groß, aber wirklich hübsch anzusehen, mit kleinen Grünflächen und vielen Bänken zum Entspannen und Sonnen. Das Beste aber ist die Kulisse: Denn egal in welche Richtung man blickt, schaut man auf alte prachtvolle Gebäude wie eine weiße Kathedrale oder ein Naturkundemuseum. Man kann hier ganz entspannt dem bunten Treiben der Stadt zusehen. Und auch wenn dich der Hunger überkommt oder du Lust auf einen Kaffee  bekommst, bist du hier am Park genau richtig: Es gibt mehrere Restaurants in unmittelbarer Nähe und vor allem die beste Bäckerei der Stadt: Xelapan mit leckeren Stücken und sehr gutem Kaffee (dazu später mehr).

Cerro el Baul

Etwas abseits von Xela gibt es einen Mirador (Aussichtspunkt), den Cerro el Baul, von dem aus man einen tollen Blick über die ganze Stadt hat. Hoch führen sowohl eine befestigte Straße für Autos als auch ein Wanderweg. Wir sind den Wanderweg hochgelaufen, was aus der Stadtmitte eine gute Stunde gedauert hat. Den Weg haben wir grob im Hostel erfragt und als wir nicht mehr weiter wussten, kam schnell ein Einheimischer auf uns zu und hat uns weitergeholfen. Also du musst dir keine Sorgen machen, dass du dich verläufst! Natürlich geht es etwas nach oben, aber der Weg ist nicht besonders anstrengend und für jeden machbar.

Weil wir sonntags da waren, war oben richtig viel los und wir konnten ein bisschen was vom Local Life mitbekommen: Am Aussichtspunkt saßen junge Männer mit einem Bierchen in der Hand zusammen, etwas weiter trafen sich Familien zum gemeinsamen Grillen und Essen, zwischendrin spielten Kinder Fußball – es war eine wirklich schöne und ausgelassene Stimmung dort oben. Wir haben uns an einem kleinen Stand etwas Obst zum Snacken gekauft und saßen eine ganze Weile dort oben und genossen den Ausblick und die Stimmung um uns herum. Um wieder unterzukommen, haben wir ein Uber genommen. Hier solltest du allerdings auf die Preise achten: Wir haben im Endeffekt mehr als doppelt so viel bezahlt als vorher angegeben war… Also besser doppelt hinschauen oder gleich laufen. 

Santiaguito Vulkan

Nachdem wir mit dem Pacaya und dem Fuego bereits zwei der drei daueraktiven Vulkane in Guatemala gesehen hatten, wollten wir es uns nicht nehmen lassen, auch dem dritten, dem Santiaguito, nahezukommen. Der Santiaguito liegt ganz in der Nähe von Xela, was somit den perfekten Ausgangsort für eine Tour bildet. Man besteigt bei dem Hike den größeren Nachbarvulkan Santa Maria, der auch für die Entstehung des Santiaguito verantwortlich ist: Bei einem gewaltigen Ausbruch des Santa Maria im Jahr 1902 entstand ein Krater mit einem

neuen Vulkan, der seit seiner Entstehung aktiv ist: der Santiaguito. In Xela werden verschiedene Touren angeboten. Entweder wandert man circa vier Stunden auf den Gipfel des Santa Maria auf 3772 Meter Höhe und übernachtet dort, oder man besteigt ihn in einem Tageshike. Nach unserem 2-Day-Hike auf den Acatenango haben wir uns beim Santiaguito für die Light-Variante entschieden: eine eineinhalbstündige Wanderung auf einen Aussichtspunkt auf dem Santa Maria. Auch von dort aus hat man einen tollen Blick!

Wir haben die Tour mit Monte Verde gebucht und dafür 275 Quetzales (circa 32 Euro) pro Person gezahlt, was echt nicht günstig ist. Wir haben uns auch gefragt, ob man die Tour nicht ohne Guide machen kann, müssen aber leider sagen, dass man den Weg zu dem Aussichtspunkt ohne Guide nicht finden würde, weil er nicht markiert ist. Wandert man auf den Gipfel, mag das anders sein, aber wer sich für den Aussichtspunkt entscheidet, sollte die Tour nicht auf eigene Faust machen. Die Touren starten früh morgens, weil da der Blick am besten ist; ab dem Vormittag zieht es sich dann oft schon zu. Bei uns ging es um 6 Uhr los, die Touren auf den Gipfel starten um 5 Uhr. Du solltest dich auf jeden Fall warm anziehen, denn in Xela wird es nachts generell kalt und auf dem Vulkan ist es zudem windig.

Nach eineinhalb Stunden waren wir am Mirador angekommen und das Schöne bei uns war, dass wir die einzigen waren, die den Hike an dem Tag gebucht hatten, wodurch wir quasi eine private Tour und den Ausblick ganz für uns hatten. Wir hatten einen tollen Blick auf den Santiaguito, der dauerhaft Rauch ausstößt, was echt beeindruckend aussieht. Wir haben bestimmt zwei Stunden dort verbracht und als die Sonne um die Ecke kam, war es nochmal viel schöner (und wärmer!). Wie viel spektakulärer der Blick vom Summit des Santa Maria ist, können wir nicht beurteilen, aber den Mirador können wir in jedem Fall weiterempfehlen! 

Durch die Stadt schlendern

Xela ist, wie so viele guatemaltekische Städte, einfach hübsch anzusehen. Es gibt viele bunte, hübsche Häuschen, kleine Gassen und immer mal wieder tauchen unerwartet alte prachtvolle Gebäude auf. Dazu kommen in Xela mehrere kleine fotogene Brücken. Und auch die Mercados sind immer einen Besuch wert. In Xela gibt es zwei große Märkte: den Mercado La Minerva am Busbahnhof und den Mercado La Democracia in der Stadtmitte. Deswegen lohnt es sich auf jeden Fall, einfach ein wenig durch die Stadt zu schlendern und sich treiben zu lassen. Du wirst mit Sicherheit die ein oder andere schöne Ecke finden! 

Honorable Mentiones

In unseren vier Tagen in Xela konnten wir nur eine Auswahl an Aktivitäten und Sehenswürdigkeiten machen. Aber Xela hat neben den oben aufgezählten Highlights auch noch einiges mehr zu bieten, was wir dir natürlich nicht vorenthalten wollen.

Wie bereits erwähnt, haben wir „nur“ den Aussichtspunkt und nicht dem Summit des Santa Maria gemacht. Der Hike auf den Gipfel ist aber sicherlich eine tolle Erfahrung, denn man befindet sich auf dem höchsten Punkt der Umgebung und kann auf den aktiven Vulkan Santiaguito herunterschauen. Je nach Vorliebe kannst du den Santa Maria in einer Tagestour erklimmen oder oben übernachten und am nächsten Tag wieder herabsteigen.

Du magst es mittlerweile gemerkt haben: Guatemala ist das Land der Vulkane. Chicabal ist ein 2720 Meter hoher Vulkan in der Nähe von Xela mit einem Kratersee. Die Mam und K’iche‘ Maya betrachten den Chicabal als heiligen Ort, an dem noch heute Zeremonien abgehalten werden.

Nach den ganzen Wanderungen sind Hot Springs mit Sicherheit eine willkommene Abwechslung: Die Fuentes Georginas liegen in Zunil, rund neun Kilometer von Xela entfernt und sind mit dem Chickenbus gut zu erreichen. Die Hot Springs werden durch Thermalwasser des Vulkans Zunil aufgeheizt und sind somit natürlich geschaffene heiße Pools in einer tollen Umgebung. Es werden 60 Quetzales (rund 7 Euro) Eintritt fällig und es wird empfohlen, die Hot Springs unter der Woche am besten morgens zu besuchen, weil es am Wochenende sehr voll werden kann.

Der Tajumulco ist mit seinen 4220 Metern der höchste Berg Guatemalas sowie ganz Zentralamerikas. Von Xela aus kannst du den Summit in 1- oder 2-Tages-Touren besteigen. Als wir vor Ort waren, im Februar 2022, herrschten allerdings Konflikte in der Umgebung, weshalb zu der Zeit keine Touren angeboten wurden. 

Guatemala ist bekannt für seine guten und günstigen Sprachschulen. Über unseren zweiwöchigen Sprachkurs an der Antiguena Spanish Academy in Antigua haben wir einen eigenen Blogpost verfasst, den du hier nachlesen kannst. Auch in Xela gibt es mehrere Sprachschulen, die günstig und gut bewertet sind. Außerdem top: Da die Stadt bisher nicht auf Touristen ausgelegt ist, wirst du nicht drum herum kommen, mit den Locals Spanisch zu sprechen. Perfekt also, um das Erlernte gleich anzuwenden!

Zum Abschluss noch ein kulinarischer Tipp: Wer Kaffee und Stückchen mag, muss auf jeden Fall zu Xelapan, der besten Bäckerei der Stadt. Xelapan ist eine Bäckereikette, die es nur in Xela gibt und die vor allem für ihr Brot (pan) bekannt ist. Es gibt drei Filialen, eine davon liegt direkt am Parque Centro América. Nicht selten bilden sich Schlangen vor dem Eingang, aber das Warten lohnt sich: Neben Brot wird auch eine riesige Auswahl an süßem Gebäck und Stückchen angeboten. Wir fanden alles, was wir probiert haben, total lecker und auch der Kaffee ist eine absolute Empfehlung. Außerdem sind die Preise günstig und wer mag, kann auch im integrierten Restaurant essen.

Fazit

Wir hatten im Vorhinein keine großen Erwartungen an Xela, müssen aber sagen, dass es uns total positiv überrascht hat! Ehrlicherweise verstehen wir nicht, warum nicht mehr Touristen und Backpacker diese tolle Stadt auf dem Schirm haben. Andererseits macht das natürlich auch den Charme der zweitgrößten Stadt des Landes aus: Sie ist sehr authentisch und bisher wenig touristisch erschlossen. Wenn du also Lust hast, ein wenig mehr ins Local Life einzutauchen, als das

beispielsweise in Antigua der Fall ist, sollte Xela auf deiner Reise auf keinen Fall fehlen! Wenn du mindestens eine der Vulkantouren machen willst, würden empfehlen, mindestens drei bis vier Tage vor Ort zu bleiben. Und auch die Anreise mit dem Chickenbus legen wir dir gerne ans Herz. Übrigens ist auch die mexikanische Grenze nicht weit von Xela entfernt, also wenn du nicht vorhast, weiter durch Guatemala zu reisen, ist die Weiterfahrt nach Tapachula in Chiapas vielleicht eine gute Option für dich.