Rio Dulce & Livingston

Guatemala

Info und Anreise

Rio Dulce und Livingston sind keine der Orte, die bei jedem Backpacker in Guatemala ganz oben auf der Liste stehen. Aber da wir die Zeit hatten, wollten wir beides gerne mitnehmen. Und im Nachhinein können wir sagen, dass das auf jeden Fall eine gute Entscheidung war. Denn die beiden Orte zeigen noch mal eine ganz andere Seite Guatemalas und haben uns richtig gut gefallen!

Die Stadt Rio Dulce liegt am gleichnamigen Fluss im Osten des Landes, der den größten See Guatemalas, den Lake Izabal, mit der Karibikküste verbindet. Folgt man dem Fluss weiter gen Osten, kommt man an die Karibikküste, an der das Städtchen Livingston liegt, das nur mit dem Boot erreicht werden kann – richtig remote! Wir sind mit dem Shuttle von Flores fünf Stunden gefahren, aber es gibt von jedem touristisch erschlossenen Ort Busse nach Rio Dulce. Von da aus fahren Boote mehrmals täglich nach Livingston, was zwischen eineinhalb und zweieinhalb Stunden dauern kann – aber allein für die Bootsfahrt lohnt sich ein Besuch schon.

Karibikflair und Jurrasic-Park-Feeling

Rio Dulce - Mehr als nur ein Hub

Rio Dulce selbst ist kein besonders schöner Ort: Es ist sehr hektisch und laut und man hat das Gefühl, die ganze Stadt sei eine einzige Hauptstraße. Neben Autos und Tuktuks fahren unzählige riesige LKWs durch den kleinen Ort, denn die Straße ist eine der Hauptverbindungsstraßen des Landes. Warum sich ein Stopp hier aber dennoch lohnt: Am Ufer des Flusses Rio Dulce gibt es wunderschöne Unterkünfte, die nur mit dem Boot erreicht werden können, die mitten im Dschungel liegen und einfach nur Idylle und Entspannung ausstrahlen – das genaue Gegenteil der hektischen Stadt quasi. Wenn du Livingston auf deiner Bucketlist hast, solltest du auf dem Weg dorthin auf jeden Fall ein bis zwei Nächte am Fluss Rio Dulce einplanen!

Unterkunft im Dschungel

An den Ufern des Rio Dulce gibt es einige Unterkünfte in verschiedenen Preissegmenten, sodass für jeden etwas dabei sein sollte. Wir haben uns für eine eher low budget Variante entschieden und zwei Nächte im Hotel Casa Perico übernachtet. Die Unterkunft liegt in einer kleinen Einmündung am Fluss und somit etwas tiefer im Dschungel. Das bedeutet auch: Tieren wirst du wohl oder übel begegnen, vermutlich auch solchen, die du lieber nur von weiter weg oder gar nicht sehen würdest. Wir haben die Bekanntschaft mit einigen wirklich riesigen Spinnen gemacht und auch Kakerlaken blieben nicht aus, aber dafür befindet man sich eben auch mitten in der Wildnis. Auch Mückenspray solltest du auf jeden Fall einpacken!

Dadurch, dass die Unterkunft so remote liegt und nur per Boot erreicht werden kann, bist du, was das Essen angeht, auf das Restaurant des Hostels angewiesen. Wir fanden die Auswahl aber echt gut und auch die Preise waren okay. Aber wenn du ein bisschen was sparen willst, kannst du dir ein paar Snacks oder Getränke selbst mitbringen – so haben wir das auch gemacht. Die Anlage hat uns richtig gut gefallen: Sie besteht aus mehreren Holzhäusern, die durch Stege miteinander verbunden sind. Vorne gibt es einen großen, offenen Sitzbereich inklusive Bar/Rezeption. Hier wird das Essen serviert, man kann sich Spiele und Bücher ausleihen, mit anderen Reisenden ins Gespräch kommen und einfach chillen und diese unfassbare Kulisse auf sich wirken lassen. Was wir besonders beeindruckend fanden, ist die Geräuschkulisse: Denn im Dschungel ist es richtig laut! Du hörst Brüllaffen und allerlei andere Tiere – auch wenn wir das meiste gar nicht sehen, ist da richtig viel Leben unterwegs.

Kanutour auf dem Rio Dulce

Das Coolste, was man auf dem Rio Dulce machen kann, ist, sich ein Kanu auszuleihen. So kannst du den Fluss auf eigene Faust erkunden. Bei unserer Unterkunft konnten wir das sogar kostenlos machen und haben noch ein paar Tipps von unseren Gastgebern bekommen, wo wir lang fahren sollen. Wir sind einen halben Tag mit einem Kanu auf dem Fluss rumgeschippert und hatten eine richtig gute Zeit. Der Rio Dulce gehört auf jeden Fall zu den schönsten Flüssen, die wir bisher gesehen haben. Der unberührte Regenwald, die Seerosen, die Vögel – die ganze Kulisse  ist einfach toll.

Zuerst ging es zu einer kleinen Plattform auf dem Fluss, von der aus man schwimmen gehen kann. Bei den Temperaturen, die in Rio Dulce herrschen, ist das auf jeden Fall eine willkommene Abkühlung und hat richtig viel Spaß gemacht. Dann haben wir den Fluss ein mal überquert, um in einen kleinen Seitenfluss reinzufahren. Auf dem schmalen Nebenfluss haben wir Brüllaffen gehört – und zum ersten Mal auch einen gesehen. Das war ein richtig cooles Erlebnis, das wir sogar fotografisch festhalten konnten.

Von Rio Dulce nach Livingston

Bisher dürfte klar geworden sein, dass es uns der Rio Dulce ganz schön angetan hat – weshalb wir uns auch sehr auf die Fahrt nach Livingston gefreut haben. Zwei mal täglich fährt ein öffentliches Boot für 125 Quetzales (14,80€) von Rio Dulce nach Livingston. Entlang des Flusses macht es an den verschiedenen Unterkünften, an denen jemand ein- oder aussteigen will, Halt. Je nachdem wie viele Stopps das Boot einlegt, variiert die Fahrtzeit circa zwischen eineinhalb und zweieinhalb Stunden. Eingequetscht zwischen anderen Backpackern und einigen Locals sind wir in einer Lancha (so nennt man in Guatemala die Boote) circa zwei Stunden über den Fluss gefahren. Bequem war es nicht unbedingt, aber die Aussicht hat dafür auf jeden Fall entschädigt! Nach dem ersten Stück, an dem du noch einige Unterkünfte und viele Yachten siehst, wird der Fluss richtig breit, wenn er in den Lake El Golfete fließt – bis zu fünf Kilometer misst er an seiner breitesten Stelle. Dort kann es auch mal etwas unruhiger auf dem Boot werden.

Doch der schönste Teil kommt erst danach: Dann wird der Rio Dulce ganz schmal und das Boot kann nur langsam durchschippern. Dort haben wir Unmengen an Vögeln gesehen (darunter Pelikane und Reiher), Seerosen und Einheimische, die am Ufer des Flusses leben und darin sich und ihre Kleidung waschen. Dort befinden sich auch die Agua Caliente, die heißen Quellen, an denen das Boot oft einen kurzen Stopp einlegt. Danach wird die Schlucht immer tiefer, bis man kurz vor Livingston zum Canyon Rio Dulce kommt. Die hohen Kalksteinwände umgeben von dem üppigen Grün sind ein beeindruckender Anblick. Dann geht es auf Livingston zu, wo der Rio Dulce im Golf von Honduras in das karibische Meer mündet.

Der Blog als Vlog

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Livingston - Karibikküste in Guatemala

Livingston ist eine der wenigen Städte Guatemalas, die an der Karibikküste liegen. Und die Stadt unterscheidet sich auch in ihrer Kultur vom Rest des Landes: In Livingston leben neben den Maya und europäisch-stämmigen auch die Garifuna – die einzige dunkelhäutige afrokaribische Volksgruppe Guatemalas. Der Ursprung der Garifuna liegt in einem Schiffsunglück im Jahr 1635, bei dem zwei Sklavenschiffe Schiffbruch erlitten. Die Afrikaner, die fliehen konnten, wurden von den Inselkariben aufgenommen und vermischten sich mit ihnen. Die Garifuna gingen also aus einer Vereinigung ehemaliger Sklaven aus Westafrika und indigenen Kariben hervor. Heute gibt es 100.00 Garifuna, die hauptsächlich in Belize, Guatemala, Honduras und Nicaragua leben und zum Großteil als Fischer oder im Bananenanbau tätig sind.

So ist auch der Vibe der Stadt anders als im Rest des Landes: Die Menschen haben öfter ein Lachen im Gesicht, man sieht viele Rastalocken, es wird gesungen und es riecht hin und wieder mal nach Gras. Insgesamt ein bisschen so, wie man sich klischeehaft das Karibikflair vorstellt. Aber nicht im Sinne dieser typischen perfekten Karibikorte, denn die Menschen leben hier in sehr einfachen Verhältnissen und die Stadt an sich ist nicht besonders schön – aber echt.

Ausflug zum schönsten Strand Guatemalas

Auf Livingston haben wir uns richtig gefreut: Denn zum ersten Mal seit dem Start unserer Weltreise würden wir hier das Meer sehen! Die Strände in Livingston selbst sind nicht besonders sehenswert, dafür aber der Playa Blanca – unbestreitbar einer der schönsten Strände Guatemalas! Der Strand ist, wie sollte es anders sein, nur mit dem Boot zu erreichen. Das fährt täglich um 9.30 Uhr und kostet 100 Quetzales (12€). Zuerst geht es allerdings zu den Siete Altares, kleinen Wasserfällen und Pools, in denen man auch schwimmen kann. 

Die kosten 20 Quetzales (2,30€) und sind ganz nett, waren bei unserem Besuch aber ziemlich voll. Danach ging es endlich an den lang ersehnten Strand, für den noch ein mal 30 Quetzales (3,50€) Eintritt fällig werden – dafür bekommt man aber eine Kokosnuss oder ein Bier. Wenn du schon traumhafte Karibikstrände gesehen hast, wird dich der Playa Blanca nicht vom Hocker hauen. Das Wasser ist nicht so schön, dafür aber der weiße, feinkörnige Sand umso mehr. Zusammen mit den Palmen ergibt das schon eine traumhafte Kulisse!

Der Strand ist super sauber, es gibt Toiletten, Umkleiden und ein Restaurant (das eher höherpreisig ist) und viele Tische, Liegen und Hängematten zum Chillen. Da wir am Wochenende da waren, waren nicht nur Backpacker vor Ort, sondern auch viele guatemaltekische Familien, die den Ort als Ausflugsziel nutzen. So war es im vorderen Teil des Strandes ziemlich voll. Deswegen unser Tipp: Lauf einfach ein bisschen weiter, denn schon wenige Meter hinter dem Eingang war auf ein mal niemand mehr und wir hatten den Strandabschnitt ganz für uns alleine. So simpel, aber dadurch wurde das Erlebnis für uns noch mal viel schöner. Man hat am Strand rund vier Stunden Aufenthalt – hätte für uns auch noch ein bisschen länger sein können, aber um 15 Uhr ging das Boot zurück nach Livingston. Wir haben unseren ersten Besuch eines Karibikstrandes sehr genossen!

Fazit

Neben aktiven Vulkanen, traumhaften Seen, grünem Dschungel und Mayaruinen hat Guatemala auch noch einen wunderschönen Fluss, eine ganz besondere Kultur und Karibikstrände zu bieten. Am Fluss Rio Dulce kannst du in traumhaftem Ambiente über das Wasser schippern, in Livingston die einzigartige Kultur der Garifuna erleben und mit dem Playa Blanca einen der schönsten Strände des Landes genießen. Wir finden: Ein Abstecher in den so remote liegenden Osten des Landes sollte zu einer Rundreise durch Guatemala definitiv dazu gehören, denn dort lernst du noch mal eine ganz andere Seite des sowieso schon so vielseitigen Landes kennen!