Maya Ruinen Tikal

Guatemala

Info und Anreise

Eines der Highlights jeder Guatemalareise ist der Besuch von Tikal: eine der größten und bedeutendsten Mayaruinen der Welt. Als Ausgangsort für einen Besuch von Tikal dient das kleine Städtchen Flores im Norden des Landes. Man kann von allen größeren Städten in Guatemala ein Shuttle nach Flores buchen. Nachdem wir einige Tage in Lanquin verbracht hatten, um uns den Nationalpark Semuc Champey anzusehen, machten wir uns von dort aus auf den Weg. Für das Shuttle haben wir 225 Quetzales (rund 27 Euro) pro Person bezahlt. Dabei fährt man acht Stunden durch verschiedene Landschaften, angefangen von Dschungel, über weite Weideflächen bis hin zu riesigen Monokulturen aus Palmölpalmen bis nach Flores.

Flores ist die Hauptstadt von Petén, des nördlichsten und flächenmäßig größten Departamentos des Landes. Das Städtchen liegt auf einer Halbinsel im Lake Peten Itza, dem drittgrößten See Guatemalas. Die Mayaruinen Tikal liegen noch einmal 60 Kilometer weiter nördlich mitten im Dschungel, was mit dem Shuttle, die überall in der Stadt angeboten werden, knapp eineinhalb Stunden dauert.

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Homebase und Unterkunft
Die Halbinsel Flores ist sehr beschaulich, man kann sie in 25 Minuten ein mal umrunden. Und auch wenn die Stadt als Ausgangsort für einen Besuch in Tikal dient, war es sehr entspannt und viel weniger voll als wir erwartet hatten. Die Unterkünfte in Flores kosten etwas mehr als in anderen Orten Guatemalas. Wir sind im Casa Maya Itza untergekommen, was mit 32 Euro pro Nacht für ein Doppelzimmer knapp überhalb unseres Budgets liegt, aber auch wirklich schön war. Die Unterkunft ist eine Mischung aus Hotel und Homestay, denn die Familie wohnt selbst mit im Haus. Wir hatten ein großes, sehr sauberes Zimmer mit zwei Doppelbetten, einem eigenen Bad und Klimaanlage. Gerade die Klimaanlage hat sich bei den Temperaturen, die in Flores herrschen, mehr als bezahlt gemacht. Es war bei unserem Aufenthalt immer über 30 Grad und kühlte auch nachts nicht wirklich ab. Auch das Wlan funktionierte meistens und was für uns ein großer Pluspunkt war: Es gab eine voll ausgestattete Küche, in der wir fast jeden Tag gekocht haben, um etwas Geld zu sparen. Wer alleine reist und connecten möchte, ist im Los Amigos bestens aufgehoben.

Highlights in Flores

Uns hat der Vibe in Flores sehr gut gefallen: Gerade tagsüber waren nur sehr wenige Touristen unterwegs, da sich die meisten gar nicht lang in Flores aufhalten, sondern es tatsächlich nur als Base für einen Besuch in Tikal nutzen. Dabei kann man dort ruhig auch ein wenig länger bleiben und das Leben am See genießen, finden wir. Wenn du mehr willst, als im See schwimmen gehen und durch die Straßen schlendern, können wir auch einige kleine Ausflüge empfehlen: So lohnt sich eine kurze Fahrt mit dem Boot rüber nach San Miguel, wo du den Mirador de Canek hoch wandern kannst. Und wenn dir mehr nach Entspannung ist, ist Jorges Rope Swing dein Place to be: Ein chilliger Spot am Wasser mit Springplattform, Rope Swings und jeder Menge Hängematten.

Die Halbinsel

Die kleine Stadt Flores liegt auf einer kleinen Halbinsel im See Peten Itza und ist mit dem Festland nur durch einen kleinen, künstlichen Damm verbunden. Auch in Flores gibt es natürlich, wie in jeder guatemaltekischen Stadt, einen zentralen Platz, auf dem die Einheimischen zusammen kommen. In Flores besticht der Parque Central vor allem durch eine weiße, sehr hübsch anzusehene Kirche. Ansonsten ist auf jeden Fall spürbar, dass die Insel auf Tourismus ausgelegt ist: Überall gibt es Hostels, Restaurants, kleine Läden und einige Laundrys. Aber nichts desto trotz hat sich Flores einen entspannten Vibe bewahren können. Viele der Straßen sind wirklich süß und es lohnt sich, wie so oft, einfach ein wenig durch die Gassen zu schlendern. Unser Highlight waren allerdings die Sonnenuntergänge! Du kannst sie entweder von einer Rooftopbar aus schauen oder vom Ufer des Sees. Dort versammeln sich abends viele junge Menschen, gern mit einem Bier in der Hand und schauen zu, wie die Sonne sich verabschiedet und den Himmel in strahlenden gelb/orange Tönen zurück lässt. Wir haben den Anblick jeden Abend aufs Neue wieder genossen! Es gibt dort übrigens auch mehrere Stege, von denen aus man schwimmen gehen kann. Und eine kleine Abkühlung kommt bei den heißen Temperaturen gerade recht.

Mirador de Canek

Gegenüber von Flores befindet sich der kleine Ort San Miguel, der nur eine kurze Bootsfahrt entfernt ist. Wir sind für 5 Quetzales (0,60 Euro) rübergefahren, um den Mirador de Canek raufzuwandern, den man von Flores aus sehen kann. Der Weg ist auf Google Maps nicht so richtig eingezeichnet und auch nicht wirklich ausgeschildert, aber man weiß ja die grobe Richtung und notfalls helfen nette Einheimische immer weiter, wenn man etwas planlos durch die Gegend schaut. Nach circa einer halben Stunde kamen wir oben an und sind dort auf jede Menge Locals gestoßen. Der Aussichtspunkt scheint also ein beliebtes Ausflugsziel für Guatemalteken zu sein. Die Aussicht ist nicht super spektakulär, aber man hat einen schönen Blick auf die Halbinsel Flores und Teile des Sees. Was uns besonders gut gefallen hat, ist der Aussichtsturm selbst: Dieser ist sehr farbenfroh und mit verschiedenen Tiermotiven bemalt. Vielleicht muss man auch deswegen seine Schuhe ausziehen, wenn man hochsteigen will.

Jorge’s Rope Swing

Eines der Dinge, die wohl fast jeder Backpacker, der sich in Flores aufhält, macht, ist Jorge’s Rope Swing. Das Ganze ist ein kleines Restaurant direkt am Wasser mit Schwingseilen, Springplattform und Hängematten. Genau wie der Mirador liegt Jorge’s Rope Swing gegenüber der Insel Flores und ist somit nur per Boot zu erreichen. Wir fanden es vor Ort schon sehr chillig, die Anlag ist auf jeden Fall schön gemacht, aber die Preise finden wir dennoch zu hoch: Für das Boot zahlt man pro Weg 25 Quetzales (3€) und für den „Eintritt“ zur Rope Swing ebenfalls 25 Quetzales pro Person. Dafür muss man vor Ort nichts trinken oder essen, sondern kann sich theoretisch selbst verpflegen. Wenn man den ganzen Tag dort verbringt, rechnet sich das sicher mehr, als wenn man wie wir nur zwei Stündchen bleibt.

Nichts desto trotz ist es ein cooler Ort, an dem sich viele Reisende treffen, um zu quatschen, Spiele zu spielen und zu baden. Es gibt zwei Rope Swings und eine circa fünf Meter hohe Springplattform. Wer es gemütlicher angehen lassen will, kann sich für zehn Quetzales (1,20€) einen Reifen für Tubing ausleihen und sich über das Wasser treiben lassen. Am Ende noch ein kleiner Spartipp: In Flores kann man sich auch Kajaks leihen. Ein Zweierkajak bekommt man schon für 70 Quetzales für den ganzen Tag. Wenn du das sowieso vorhast, kannst du damit auch zu Jorge’s Rope Swing fahren und dir somit das überteuerte Boot sparen. Und auch den Sonnenuntergang vom Kajak aus auf dem See zu sehen, muss sehr spektakulär sein!

Tikal

Tour und Kosten

Touren für Tikal werden in Flores an jeder Ecke und in jedem Hostel angeboten. Dabei gibt es verschiedene Optionen, die wir dir hier kurz und übersichtlich vorstellen wollen: Grundsätzlich musst du entscheiden, ob du Tikal in einer geführten Tour mit einem Guide oder auf eigene Faust erkunden willst. Willst du dir die Ruinen selbstständig anschauen, so wie wir, bist du im Prinzip unabhängig von allen Touranbietern und könntest, wenn du das willst, auch mit dem Chickenbus oder anderen lokalen Transportmitteln nach Tikal fahren. Ansonsten kannst du aber auch einen Shuttle buchen und fährst dann mit den Leuten, die eine Tour gebucht haben, hin und zurück. So haben wir es gemacht und dafür (also für den reinen Transfer) 80 Quetzales pro Person gezahlt (= 9,50 Euro). Leute, die wir getroffen haben, die sich einen Guide genommen haben, haben für Transfer und Guide 130 Quetzales pro Person bezahlt (=13,50 €).

Als nächstes musst du entscheiden, wann du Tikal besuchen willst. Der Nationalpark hat von 6 Uhr bis 17 Uhr geöffnet und kostet immer 150 Quetzales Eintritt (= 18 Euro, nicht in der Tour bzw. dem Transfer inkludiert!). Beachte: Vor Ort gibt es keinen ATM und du musst den Eintritt bar und in Quetzales bezahlen. Auch der Reisepass ist hilfreich, aber falls du ihn nicht dabei hast, reicht es auch, wenn du deinen Namen und deine Nationalität in eine Liste einträgst. Es gibt darüber hinaus eine ganz frühe Tour zum Sonnenaufgang und eine späte Tour zum Sonnenuntergang, für die du noch ein mal 100 Qutezales extra Eintritt zahlen musst (= 11,50 Euro), weil du dann vor bzw. nach den offiziellen Öffnungszeiten im Park bist. Diese Touren zum Sunrise bzw. Sunset sind zudem auch nur mit Guide möglich, der nochmal extra kostet. Zur Veranschaulichung ein Beispiel: Du entscheidest dich für die Sonnenaufgangstour: Dafür zahlst du circa 380 Quetzales (130/Transfer + Guide, 150/Eintritt, 100/Sonnenaufgang). Wobei die Kosten für den Transfer und Guide variieren und Verhandlungssache sind. In Summe landest du aber bei circa 45 Euro. Zu den normalen Öffnungszeiten und ohne Guide ist es entsprechend günstiger. Bei uns waren es insgesamt 230 Quetzales (= 27,50 Euro) für Transfer und Eintritt.

Das Shuttle braucht von Flores aus circa eineinhalb Stunden nach Tikal. Die Sonnenaufgangstour startet um 3 Uhr, die Tour danach um 4.30 Uhr und über den Tag verteilt gibt es weitere bis zur Sonnenuntergangstour. Wir haben uns für den Shuttle um 4.30 Uhr entschieden und können das absolut weiterempfehlen: So früh sind erst wenige Leute im Park und vor allem sind die Temperaturen noch angenehmer. Ab mittags wird es nämlich verdammt heiß! Du solltest auf jeden Fall Sonnencreme und genug Wasser einpacken.

Die Maya Ruinen

Tikal, das tief versteckt im Dschungel liegt, ist eine der größten und am besten erforschten Mayaruinen – auch wenn man schätzt, dass circa 10.000 Gebäude noch gar nicht ausgegraben wurden. Das Gelände erstreckt sich über eine Fläche von 576 km². Zwischen dem 3. und 9. Jahrhundert war Tikal eine der bedeutendsten Städte der klassischen Mayaperiode. Über lange Zeit hat sie die Region politisch, ökonomisch und militärisch dominiert. In Hochzeiten sollen dort mindestens 50.000 Menschen gelebt haben.

Die Maya waren eine sehr fortschrittliche Kultur und so soll auch Tikal ein progressives Königreich gewesen sein mit Schulen, Büchereien, Krankenhäusern und vielem mehr. Doch es gibt auch viele Unklarheiten: Bis heute ist unklar, warum um das Jahr 900 fast alle Mayastädte, darunter auch Tikal, scheinbar schlagartig verlassen wurden. Unter Forschenden gibt es mehrere Theorien dazu. Vermutlich waren mehrere Faktoren verantwortlich, darunter eine Dürreperiode sowie politische Unruhen und Kriege.

Für tausend Jahre wurde Tikal wieder dem Dschungel überlassen, bis 1950 der Tikal National Park eröffnet wurde. Seit 1979 ist er – als eine der ersten Stätten weltweit – sowohl Unesco Weltkulturerbe als auch Weltnaturerbe. Erst in den 1980er Jahren begann die moderne Erforschung der Stätte, die noch immer andauert. Heute zählt Tikal zurecht zu den größten Touristenattraktionen Guatemalas.

Das ganze Areal Tikals zu sehen, schafft man bei einem halbtägigen Besuch gar nicht, weshalb du dich auf die Highlights konzentrieren solltest. Herzstück von Tikal war der Große Platz, auf dem die Tempel I und II stehen, die mit ihren Höhen von 47 und 40 Metern zu den höchsten Stufentempeln Mittelamerikas zählen. Das Besondere ist: Du kannst einen der Tempel besteigen und den Blick von oben auf den Platz genießen. Auch Tempel IV, der mit 65 Metern höchste Tempel der Anlage und die größte Pyramide, die die Maya je gebaut haben, kann heute bestiegen werden. Der Blick von dort oben über den Dschungel, der sich bis zum Horizont erstreckt, ist definitiv ein unvergesslicher Anblick! Zu den Hauptsehenswürdigkeiten zählen außerdem die Tempel III, V und VI. Daneben gibt es viele weitere Tempel und Stätten, von denen uns ganz besonders die im Mundo Perdido (Lost World) gefallen haben. Und als wären die Gebäude nicht schon beeindruckend genug, kannst du im Dschungel auch noch einiges an Wildlife entdecken wie Brüllaffen, Tukane, Tapire und mit ganz viel Glück bekommst du sogar einen Jaguar zu Gesicht.

Wer nach Tikal noch mehr Lust auf Mayaruinen hat, dem sei ein Besuch der Uaxactún Ruinen ans Herz gelegt. Diese sind Teil des Tikal Nationalparks, liegen aber 23 Kilometer von Tikal entfernt und kosten 50 Quetzales (6€) Eintritt. Uaxactún gilt als eine der frühesten historischen Stätten der Maya.

Fazit

Tikal ist völlig zurecht eine der Hauptattraktionen für Besucher Guatemalas und sollte definitiv auf deiner Bucketlist landen! Allein die unendlichen Weiten des Regenwaldes wären schon beeindruckend genug. Sich dann aber noch vorzustellen, wie in den gewaltigen Gebäuden vor tausenden und zehntausenden von Jahren Menschen in weit entwickelten Gesellschaften gelebt haben – das ist schon ein ganz besonderes Erlebnis. Dazu ist das kleine Städtchen Flores mehr als nur Ausgangspunkt für Touren in den Nationalpark, sondern hat auch seinen ganz eigenen, gemütlichen Charme –  wir können es nur empfehlen!