Reise

Stil

Backpacking all day long

Wie wir reisen

Grundsätzlich pflegen wir einen individuellen Reisestil mit Rucksack und würden uns finanziell noch im Low-Budget-Bereich sehen, aber mit leichter Tendenz Richtung Flashpacker. Um zu erklären, was das im Einzelnen bedeutet, haben wir das Ganze mal in fünf Kategorien aufgeteilt:

Transport

Interkontinentale Flugreisen gehören zum Flair einer Weltreise dazu und wir sind ehrlich: Wir fliegen gerne! Auf der anderen Seite gilt es, Flugreisen aus Klimaschutzgründen so gut es geht zu vermeiden. Wie wir das machen, haben wir in Schritt 9 der Weltreiseplanung ausführlich beschrieben (Routenplanung, Kompensation).

Besonders das Angebot der Low-Cost-Carrier wie Ryanair oder AirAsia ist natürlich sehr verlockend und wir würden lügen, wenn wir behaupten, diese Angebote nie zu nutzen. Trotzdem ist es für uns meistens die letzte Option, aber gerade auf Inselstaaten findet man sich dann doch häufiger im Flieger wieder, als man es mit seinem Gewissen vereinbaren mag.

Busse stellen für uns eines der wichtigsten Transportmittel über Land dar. Sie eignen sich fast überall auf der Welt für längere Strecken und sind meistens sehr erschwinglich und zudem viel komfortabler, als wir es hier aus Deutschland kennen.

Aber auch auf kürzeren oder mittleren Distanzen nutzen wir gerne das lokale Busnetz. In Sri Lanka haben wir fast alle Strecken mit dem Bus zurückgelegt und es war nicht nur extrem günstig, sondern auch immer ein Abenteuer. Es wirkt manchmal etwas unorganisiert und manche Fahrer sind komplett irre, aber im Endeffekt klappt dann doch meistens alles.

Als Alternative zum Bus nutzen wir in vielen Regionen auch Mini-Vans (Sammeltaxis, Colectivo, Matatu), die kreuz und quer auf langen und kurzen Strecken durchs Land düsen.

Sofern möglich, versuchen wir immer einen Teil unserer Strecke mit der Bahn zurückzulegen. Es ist meistens recht entspannt, günstig und man fährt oft durch tolle Landschaften. Natürlich hat nicht jedes Land eine geeignete Schieneninfrastruktur und in einigen Regionen ist es auch teurer, aber wir lieben Bahnfahren – egal ob über Nacht im Schlafabteil, in der komfortablen Eksekutif Klasse in Indonesien oder der Holzklasse in Sri Lanka.

In Großstädten und Metropolen nutzen wir zudem U- und Straßenbahnen als Teil des öffentlichen Nahverkehrs. Es ist die beste Methode, um sich in urbanen Regionen zügig fortzubewegen. Fahrpläne und Bezahlung sind trotz Fremdsprachen meistens einfacher zu verstehen als in Deutschland.

Trotz einiger wackliger Fahrten und etwas Übelkeit lieben wir Fährfahrten. Es ist extrem günstig und man taucht immer recht tief ins Local-Life ein, denn viele Touristen umgehen die langen Reisen übers Wassers. Gerade in Inselstaaten wie Indonesien oder auf den Philippinen sollte man diese Experience auf jeden Fall mitnehmen oder zumindest mal ausprobieren, statt gleich ein Ticket für den Flieger zu buchen.

Im Nahverkehr außerhalb von Großstädten sind Taxis und Tuk-Tuks meist die einzige Möglichkeit für individuellen Transport. Wir sind nicht die größten Fans von Taxis beziehungsweise Uber oder Grab, aber manchmal ist es eben die schnellste und erschwinglichste Möglichkeit, um von A nach B zu kommen, gerade wenn man als Paar reist.

Tuk-Tuks oder jede andere Art von motorisierten Dreirädern sind in vielen Regionen omnipräsent und ideal für kürzere Strecken. Ohne es wirklich zu wollen, finden wir uns dann doch öfters in so einem Ding wieder – gerade für Transfers zwischen Unterkunft und (Bus)Bahnhof oder für kleinere Tagesausflüge.

Unsere Liebe gilt allerdings dem guten alten Roller, besonders in Südostasien. Es ist extrem praktisch und günstig, man kann überall hin und es macht einfach Spaß zu fahren – gerade zu zweit: Einer navigiert, der andere fährt und man kann einfach dort halten, wo man es schön findet oder auch mal einen kleinen Loop über mehrere Tage fahren.

Mietwagen haben wir bisher nur in Europa genutzt. Hier schätzen wir die Individualität und Schnelligkeit gegenüber Bus und Bahn und zu zweit ist ein Kleinstwagen auch bezahlbar, gerade außerhalb der Hauptsaison. 

Aber abgesehen von Kanada, den USA und Europa würden wir nicht auf die Idee kommen, ein Auto zu mieten – gerade wenn man auf Weltreise mehr Zeit mitbringt, als in seinem normalen Jahresurlaub. Zudem kriegt man einfach weniger vom Land und den Leuten mit, wenn man ständig hinterm Steuer sitzt.

Campervan ist nochmal ein komplettes Thema, aber wir fühlen das zum aktuellen Zeitpunkt nicht so. No Front an alle Vanlife-Liebhaber! Wir wissen, dass es schon vor und spätestens seit Covid ein großes Ding ist und welche Vorzüge es hat. Vielleicht kommen wir ja später noch in den Genuss.

Wir versuchen besonders auf kürzeren Strecken so zu reisen wie die Einheimischen. Das ist meistens sehr günstig und man kann viele Eindrücke vom Land und den Leuten sammeln. Wir haben damit bisher tolle Erfahrungen gemacht und waren nicht selten die einzigen Ausländer im Zug oder im Bus. Gerade auf Weltreise nehmen wir gerne die ein oder andere Stunde mehr in Kauf oder verzichten auf etwas Komfort, um diese Erfahrungen mitzunehmen. Aber auf längeren Strecken, z.B. langen Busfahrten, nutzen wir natürlich auch mal Angebote, die eher auf Touristen ausgelegt sind.

Unterkünfte

Die Unterkünfte sind einer der wichtigsten Dinge überhaupt auf Weltreise und unser Budget pro Nacht schwankt zwischen 10€ und 15€ pro Person. Für gewöhnlich buchen wir einfach ausgestattete Doppelzimmer in Hostels, mit eigenem oder geteilten Bad und wenn möglich einer Gemeinschaftsküche. In Ländern, wo das Preisniveau etwas höher ist, weichen wir auf Dorms aus oder nutzen Airbnb. Doch gerade in Südostasien, Mittel- und Südamerika sind Doppelzimmer in Hostels so günstig, dass wir uns diesen „Luxus“ fast immer gönnen. Klassische Hotels nutzen wir nie, denn wir schätzen den individuellen und lokalen Charakter von kleinen Hostels gegenüber der Massenabfertigung in Hotelketten.

Von sehr einfach
über chillige Hostels
bis hin zum Beachbungalow

Grundsätzlich sind wir ziemlich erstaunt darüber, wie viel man in manchen Regionen der Welt für vergleichsweise wenig Geld geboten bekommt, gerade wenn man etwas abseits der Hotspots schaut. Wir als Paar bevorzugen zudem eher ruhigere Hostels und weniger die Partyhochburgen wie Mad Monkey oder Slumber. Vor fünf Jahren vielleicht, heute lassen wir es etwas ruhiger angehen.

Aber natürlich ist nicht immer alles rosarot. Wir hatten auch schon Nächte in ranzigen Zimmern mit Sanitäranlagen, die den Namen nicht verdienen. Aber das ist dann doch eher die Ausnahme und passiert nur dann, wenn man auf die Schnelle etwas finden muss. Und durch Booking, Agoda, Hostelworld und Co. sind Buchungen ja relativ transparent geworden. Falls dich interessiert, welche Apps wir für die Buchung von Unterkünften nutzen, schau mal in Schritt 9 unserer Weltreiseplanung vorbei.

Verpflegung

Während wir uns sonst in vielen Dingen einig sind, gehen unsere Vorstellungen beim Essen etwas auseinander. Helen zelebriert das Essen und taucht gerne in die kulinarische Vielfalt eines Landes ein, während Horst einfach drei Wochen lang jeden Tag abwechselnd Nasi und Mi Goreng isst.

Leckerer Curry-Mix nähe Ella (Sri Lanka)
Typisches Warung in Probolinggo (Indonesien)

In der Regel gehen wir in preiswerteren Regionen wie Südostasien häufiger essen, während wir in Europa und teureren Teilen der Welt eher im Supermarkt einkaufen und uns selbst verpflegen. In vielen Hostels gibt es Gemeinschaftsküchen, in denen man seine Mahlzeiten zubereiten kann. Meistens packen wir uns dann noch eine extra Portion in unsere faltbaren Tupperboxen, um für den nächsten Tag noch einen Snack für unterwegs dabei zu haben. Aber wenn wir essen gehen, sind wir uns, was die Art von Restaurants angeht, meistens einig: einfache Aufmachung, lokale Küche und günstige Preise. Ähnlich verhält es sich bei Bars – desto einfacher und ungezwungener, desto besser. Gerne mit etwas Livemusik!

Typisches Warung in Probolinggo (Indonesien)

Zudem ernähren wir uns auf Weltreise möglichst vegan und komplett vegetarisch. Zweiteres stellt kein großes Problem dar und ist in den meisten Ländern easy, aber den Veganismus legen wir jetzt nicht immer auf die Goldwage. Wenn wir uns selbst verpflegen, ist das natürlich einfacher, als in der kleinen Garküche von nebenan. Aber das Angebot an veganen Restaurants ist in den letzten Jahren spürbar größer geworden.

Aktivitäten

Wir versuchen, die meisten unserer Aktivitäten auf eigene Faust durchzuziehen. Natürlich ist das nicht bei allen Dingen möglich und hin und wieder ist eine organisierte Tour oder ein Guide besser. Aber im Großen und Ganzen kann man besonders Dinge in der Natur selbst planen und umsetzen. Einfach bei google „XXX auf eigene Faust“ eingeben und du findest unendlich viele Blogbeiträge zu jedem Thema. Wir verdeutlichen das mal am Beispiel des Tengger Semeru Nationalpark auf Java: einer der bekanntesten und beliebtesten Sehenswürdigkeiten überhaupt in Indonesien.

Normalerweise buchen die meisten Pauschaltouristen eine Tour, die einen mit einem Jeep zum „besten“ (und vollsten) Spot zum Sonnenaufgang am Mount Penanjakan bringt, wo man sich das einmalige Naturschauspiel dicht gedrängt mit hundert anderen Leuten teilt. Danach zieht die komplette Karawane an Jeeps in Richtung der Kaldera und alle wollen gleichzeitig den aktiven Vulkan Bromo besteigen, dessen Kraterrand jetzt nicht unbedingt für riesen Menschenmassen ausgelegt ist. Das ist so die typische Mount Bromo Tour. Wir wollen das auch gar nicht schlecht reden, doch mit einer individuellen Tour kann man dieses Highlight auch abseits der großen Massen genießen.

Unsere Tour „auf eigene Faust“
Statt morgens mit dem Jeep zum Mount Penanjakan zu fahren, sind wir mitten in der Nacht aufgestanden und zu Fuß zu einem anderen Spot für den Sunrise gewandert (King Kong Hill). Dort war es auch nicht leer, aber man konnte sich an den Hängen frei bewegen und einen ruhigen Platz für den Sonnenaufgang finden. Nachdem dann alle Jeeps los sind, haben wir zwei Motorradfahrer gefunden, die uns den kompletten Weg durch die Kaldera zurück nach Cemoro Lawang gebracht haben. Das allein war schon ein Highlight und während hunderte Jeeps vorm Bromo standen, sind wir erstmal in der Stadt frühstücken gegangen. Gegen 10 Uhr haben wir uns dann mit unserer Gruppe einen Jeep zum Bromo geteilt und es war fast menschenleer. Wir hatten eines der größten Highlights in Indonesien mitten in der Hauptreisezeit quasi für uns.

Start der Wanderung um 3 Uhr nachts
entspannter Sunrise am King Kong Hill
fast menschenleerer Bromo

Das heißt jetzt nicht, dass das eine besser oder schlechter ist, sondern soll nur verdeutlichen, mit wie wenig Aufwand selbst überlaufene Ziele individuell bereisbar bleiben. Das lässt sich auf viele Aktivitäten übertragen und so recherchieren wir vor oder während unserer Reisen immer viel im Internet, für was sich eine Tour lohnt oder was wir lieber selbstständig machen.

Auch wenn wir viele typische Backpacking-Länder bereisen, gibt es auch dort viele Hidden Gems und für unsere Weltreise haben wir noch einige Off-the-Beaten-Path-Highlights auf dem Zettel, die wir nach und nach in unseren Blogbeiträgen veröffentlichen.

Sonstiges

Was gibt es sonst noch über uns und unseren Reisestil zu sagen? Abseits vom Reisen selbst sind wir natürlich viel mit dem Schneiden von Videos und dem Verfassen von Blogbeiträgen beschäftigt und verbringen daher vergleichsweise viel Zeit am Laptop.

Aber das machen wir sehr gerne und es stellt für uns einen guten Ausgleich zu den sonstigen Aktivitäten dar, um auch mal einen Tag etwas ruhiger angehen zu lassen. Egal ob abends auf dem Zimmer oder tagsüber in einem Café. Aber wir versuchen es nicht zu übertreiben, denn an erster Stelle steht immer noch das Reisen selbst und nicht das Bloggen, Filmen und Fotografieren.

Sonst sind wir eigentlich recht bequem unterwegs und schauen abends mal eine Serie oder gehen in eine Bar ein, zwei Bierchen trinken – gerne auch mal mit ein paar anderen Backpackern, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Aber ehrlicherweise sind wir dann doch meistens zu zweit unterwegs und sind froh, dass uns die monatelangen Lockdowns gelehrt haben, wie wir 24/7 miteinander auskommen, ohne uns komplett auf die Nerven zu gehen. Außerdem kennen wir uns schon so lange… Da machen wir uns keinen Stress, wenn es mal zu Meinungsverschiedenheiten kommt.