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Budget & Kosten

Bestimme dein Weltreisebudget

Was kostet eine weltreise?

Die wahrscheinlich wichtigsten Fragen bei der gesamten Reiseplanung: Wie teuer ist eine Weltreise und wie ermittle ich mein Budget?
Die Standardantwort darauf lautet: Die Kosten einer Weltreise sind individuell und im Großen und Ganzen abhängig von drei Faktoren:

Völlig richtig. Aber das hilft dir bei deiner Planung nicht. Du willst Zahlen sehen! Eine Zahl, die uns bei Recherchen immer wieder begegnet ist, ist 1000€ pro Monat plus 1000€ on top. Also z.B. 7000€ für 6 Monate. Das gibt dir schon mal eine Dimension und einen Richtwert, aber eben auch nicht mehr. 7000€ in Südostasien sind nicht vergleichbar mit 7000€ in Australien, Europa oder Nordamerika – logisch. Mal ganz abgesehen davon, wie hoch oder niedrig deine Ansprüche an Transport, Unterkünfte und Essen sind. Und die Kosten vor der Reise sind nochmal ein ganz anderes Thema. Aber kommen wir zu dem Punkt, warum du hier bist:

Kostenrechner

Wir haben eine simple Excel-Tabelle entworfen, in der du deine potentiellen Kosten in vier verschiedene Kategorien eintragen kannst. Die Tabelle errechnet dann automatisch dein Gesamtbudget. Natürlich ist das auch nur ein Richtwert. Aber einer, der deutlich besser auf deine individuelle Weltreise zugeschnitten ist. Du kannst die Datei kostenlos für MacOS (Numbers) oder als normale Excel (XLSX) für Windows hier runterladen. Eine Erklärung folgt im nächsten Abschnitt.

Keine Lust so viel zu lesen?

Wir erklären den Kostenrechner auch in einem Video auf unserem YouTube Kanal.

Erklärung & Funktionsweise

Kommen wir mal zu der Funktionsweise der Tabelle. Ganz am Ende der Seite findest du auch auch zwei Praxisbeispiele, wodurch das Prinzip schnell klar werden sollte. Grundsätzlich teilt sich die Tabelle in vier Kategorien auf:

Wir haben in jeder Kategorie ein paar Kostenpunkte als Beispiele eingetragen, die du gerne als Orientierung nutzen kannst. Aber du kannst natürlich auch Dinge löschen oder in den freien Reihen hinzufügen. Bevor es losgeht, musst du oben links in B1 (B2 bei Windows) noch deine gewünschte Reisezeit in Monaten eintragen.

1. Vorbereitung
Vor der Reise gibt es bereits einige große Kostenpunkte zu beachten, ohne dass du überhaupt einen Fuß in den Flieger, das Auto oder die Bahn setzt. Manche sind allgemeingültig und für alle gleich, andere können von Person zu Person variieren.

Zwingend notwendig für jeden längeren Auslandsaufenthalt. Zurzeit kostet eine Auslandskrankenversicherung für 90er-Jahrgänge bei den bekanntesten Anbietern Hansemerkur und YoungTravellers für zwölf Monate 420€ ohne Nordamerika und 600€ mit Nordamerika. Nur mal als Richtwert, damit du etwa weißt, was da auf dich zukommt.

Das wichtigste Dokument von allen. Achte darauf, dass dein Reisepass mindestens sechs Monate länger gültig ist als das Ende deiner Weltreise. Kostenpunkt 60€ (37,50€ für unter 24-Jährige).

Nicht zwingend notwendig für jeden, aber gerade in Südostasien ist man ja häufiger mal mit dem Roller unterwegs. Mit 15€ ist man hier auf der sicheren Seite.

Für die typischen Reiseziele wie Südostasien, Süd- und Mittelamerika gibt es etwa vier bis fünf empfohlene Impfungen. Die sind extrem teuer, aber deine Krankenkasse wird in der Regel den Großteil der Kosten übernehmen. In Summe bleiben etwa +/- 100€ Selbstbeteiligung – je nach Krankenkasse und Anzahl der Impfungen.

Quasi deine Wohnung auf Reisen. Das Angebot ist unendlich und geht von spottbillig bis ins Unermessliche. Kommt eben auf Qualität, Funktionalität und Größe an. Unsere Ospreys 40L haben jeweils 100€ gekostet.

Erklärt sich von selbst. Wir haben uns vor der Reise beispielsweise ein paar funktionellere Klamotten aus Merinowolle zugelegt sowie neue Schuhe.

Manch einer benötigt hier nichts außer einem Reiseadapter für die Steckdose, ein anderer vielleicht noch einen Laptop und eine Powerbank und wiederum andere reisen mit mehr Technik als Klamotten.

Klassiker wie Ibu, Paracetamol, Imodium akut oder Kohletabeletten, aber auch Pflaster, Mullbinden, Sonnencreme und Mückenspray etc. Das meiste davon fliegt in irgendeiner Schublade zuhause rum. 

Der größte Kostenpunkt hierfür ist meistens die Auslandskrankenversicherung. Der Rest der Kosten variiert. Ein erfahrener Backpacker wird das meiste Zeug schon haben. Wiederum andere starten hier fast bei 0 und müssen etwas Geld in die Hand nehmen. Solltest du weitere Kosten vor der Reise haben, die keiner dieser Kategorieren zuzuordnenden sind, kannst du das natürlich darunter in den leeren Reihen ergänzen oder andere Kategorien ersetzen.

2. Internationale Flüge & Visa
Kommen wir zu den internationalen Flügen (keine Inlandsflüge!). Die Kosten kannst du natürlich nur bestimmen, wenn du deine Route und den Zeitraum grob kennst. Dafür kannst du deine Flugetappen bei einer Suchmaschine (z.B. Skyscanner) für deinen Reisezeitraum eingeben und die angezeigten Flugpreise so aufaddieren. Wähle dabei immer den Flug, den du tatsächlich buchen würdest. Sprich nicht immer das billigste, was 40 Stunden dauert, aber auch nicht jedes mal den Direktflug. 

Ob ein Visum oder sogar ein kostenpflichtiges Visum nötig ist, hängt vom Reiseland und der Dauer des Aufenthaltes ab. Die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes sind dafür eine verlässliche Quelle (Land suchen -> Reise und Sicherheitshinweise auswählen -> zu Punkt 5: Einreise- und Zoll und Unterpunkt Visum). Typische Backpackingländer mit kostenpflichten Visa wären z.B. Laos und Kambodscha (ca. 50€ USD pro Visum mit Servicegebühr). Zudem könntest du in dieser Spalte auch die Kosten von PCR- und Antigentests mit einkalkulieren, falls die Anzahl und die Kosten in etwa bekannt sind. Beim Auswärtigen Amt findest du bei den Reise- und Sicherheitshinweisen unter Punkt 1 (Aktuelles) die gegenwärtigen Einreisebestimmungen aller Länder.

3. Fixkosten
Kommen wir zu einem Punkt, der irgendwie logisch ist, aber bei vielen Blogeinträgen und YouTube-Videos zu Reisekosten unter den Tisch fällt: die Fixkosten. Sprich Kosten, die entweder monatlich, quartalsmäßig oder jährlich anfallen. Diese können dein monatliches Reisebudget ziemlich schmälern, je nachdem was du so nutzt. Die typischsten Sachen haben wir mal aufgeführt:

Ist im Idealfall zum Start der Weltreise ausgelaufen, andernfalls schleppst du zumindest den Mobilfunkvertrag unnötigerweise mit. Häufig kombiniert man ein Handy ja direkt mit einem Mobilfunkvertrag, wenn man sich das neues Handy über die Vertragslaufzeit mitfinanziert.

Hierunter fallen Dinge wie Netflix und Spotify oder alle anderen Anbieter für Musik- und Videostreaming. Das werden wohl die meisten auch auf Reisen nutzen.

Bleiben wir gleich mal in diesem Bereich: Um auch im Ausland auf bestimmte Websites und Apps beziehungsweise deren Inhalte zurückgreifen zu können, benötigt man eine VPN-Verbindung. Diese schaltet sich laienhaft gesagt zwischen euer Gerät und die WLAN-Verbindung und dadurch sind beispielsweise Inhalte des „deutschen Netflix“ im Ausland für euch verfügbar. Darüber hinaus verbessert eine VPN-Verbindung die Sicherheit. Wir nutzen den Service von ExpressVPN (für Handy und Laptop), andere bekannte Anbieter sind Surfshark oder NordVPN. Kostet im Jahresabo etwa 50€, kann aber auch für kürzere Zeiträume abgeschlossen werden.

Vor der Reise sollte man nochmal prüfen, ob die Haftpflichtversicherung auch weltweit gültig ist. Wichtig für Drohnenbesitzer: Für eine Drohne benötigt man entweder eine extra Haftpflicht oder kann in den meisten Fällen auch Drohnenschäden in die bestehende Haftpflicht integrieren. Kosten pro Jahr in der Regel zwischen 50€ und 75€.

Hierunter fällt alles außerhalb der Haftpflicht- und Auslandskrankenversicherung. Bei Horst wäre es beispielsweise eine monatlich fällige Zahnzusatzversicherung.

Für viele werden Spenden ein monatlicher Kostenpunkt sein, den es in der Gesamtkalkulation auch zu beachten gilt. Darunter fallen zum Beispiel auch Spenden an Fördervereine oder ähnliches.

Ein weiterer Punkt wären Vereinsbeiträge, Mitgliedschaften bei Fitnessstudios (falls nicht gekündigt) oder ähnliches. In Horsts Fall wollte er für den Zeitraum unserer Reise nicht extra aus seinem Volleyballverein austreten. So fließen die quartalsmäßigen Kosten auch in die Fixkosten und damit in das Gesamtbudget der Weltreise mit ein (4×28,75€).

Im Idealfall kündigst du deine Wohnung oder vermietest sie für den gleichen Preis, den du zahlst, an einen Untermieter. Dann fallen meistens keine Fixkosten für die Wohnung an. Beispiele hierfür wären aber Mietkosten für eine Garage oder einen Lagerraum, wo du deine Möbel unterstellst, falls du deine Wohnung kündigst. Oder du vergisst bei der Zwischenmiete die GEZ-Kosten zu inkludieren. Das wären dann 52,50€ pro Quartal, also über 200€ für eine einjährige Weltreise.

Vor einer Weltreise sollte man sein Auto abmelden. Andernfalls wären hier KFZ-Steuer und KFZ-Versicherung fällig. Sollte man sein Auto abmelden, darf man dies allerdings nicht einfach auf der Straße stehen lassen. So könnten z.B. monatliche Kosten für eine Garagenmiete anfallen.

Alle monatlichen Kosten kannst du in die Spalte F eintragen (z.B. Netflix 9€). Quartalsmäßige Kosten musst du entsprechend deiner Reisedauer addieren und in Spalte G eintragen (z.B. quartalsmäßiger Vereinsbeitrag: 28,75€ = 115 € bei 12-monatiger Reise). Natürlich sollte das Ziel sein, die monatlichen Kosten möglichst gering zu halten. Manch einer hat vielleicht nur 10€, andere kommen schnell mal auf 50€ oder mehr. Einzeln wirken die Beträge meist sehr klein, aber im Zweifel summieren sie sich und können dadurch das monatliche Budget stark beeinflussen. Besonders wenn man nur vom Ersparten reist und die Fixkosten nicht wie sonst üblich durch die monatliche Gehaltszahlungen gedeckt werden.

4. Monatliches Budget vor Ort
Kommen wir nun zu dem Punkt, den man am ehesten diesen oben genannten 1000€ pro Monat zuordnen kann: Das bezieht sich nämlich oft nur auf das Budget vor Ort. Sprich alle Kosten für:

Diese 1000€ ergeben sich oft aus der gängigen Faustregel 30€ pro Tag (10€ Unterkünfte, 10€ Verpflegung, 10€ Transport) und einem kleinen Extra für den Rest. Hier kommt es tatsächlich in erster Linie auf deine Reiseländer an. Während du mit 1000€ im Monat in Südostasien und Teilen von Süd- und Mittelamerika gut über die Runden kommen kannst, wirst du in höherpreisigen Gegenden wie Australien, Japan, Europa und Nordamerika schnell an die Grenzen kommen. Die Kostenstruktur deiner Reiseländer musst du recherchieren und mit deinem Reisestil verbinden.

Solltest du in unterschiedlichen Preisregionen unterwegs sein, musst du dein monatliches Durchschnittsbudget manuell ermitteln und eintragen. Beispielsweise 12 Monate aufgeteilt in: 1 Monat Australien 1500€ + 6 Monate Südostasien 1100€ pro Monat + 2 Monate Nordamerika 1500€ pro Monat + 3 Monate Südamerika 1300€ pro Monat = 1500€ + 6 * 1100€ + 2 * 1500€ + 3 * 1300€ = 15.000€ / 12 Monate = 1.250€ Budget pro Monat. Diesen Wert musst du dann als durchschnittliches Monatsbudget in I4 eintragen.

Beispiele

Soviel zur Erklärung der Tabelle. Aber wie sagt man so schön: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Deswegen haben wir hier unten mal zwei Beispiele eingefügt, die zeigen, wie unterschiedlich die Kosten für eine Reise sein können. Nagel uns nicht auf die eingegebenen Kosten oder Routen fest, es geht nur darum, beispielhaft das Prinzip zu verdeutlichen. Man kann genauso in kurzer Zeit mehr Geld ausgeben und für eine längere Reise weniger! Wir haben zu Demonstrationszwecken zwei Extreme gewählt.

Beispiel 1 (6 Monate)

Beispiel 2 (12 Monate)

Fazit

Man sieht ganz klar: Weltreisekosten variieren sehr stark und sind deutlich mehr, als das Budget vor Ort. Jemand, der bereits alles für eine Reise besitzt, kaum Fixkosten hat und sich bei der Route auf eine günstige Region beschränkt und grundsätzlich low budget unterwegs ist, braucht viel weniger Budget, als man vielleicht denkt. Andere mit höheren Komfortansprüchen, die in teureren Ländern unterwegs sind und mehrere Kontinente bereisen wollen, benötigen eben mehr. Ist ja nur logisch.

Wir wollen auch nichts davon bewerten, uns geht es nur darum, dass du eine realistische Einschätzung bekommst, was deine Weltreise kosten könnte. Uns hat es dabei geholfen, einen Sparplan zu entwerfen und diesem auch zu folgen. Wir hoffen, es hilft dir auch!

Wir kalkulieren mit einem Tagesbudget von 40 € pro Person, sprich 1200 € im Monat. Davon exkludiert sind alle internationalen Flüge, die Auslandskrankenversicherung und alle mit Covid-19 zusammenhängende Ausgaben (nur ein PCR Test). Bisher, nach sechs Monaten und Mittel- und Südamerika, haben wir diesen Tagessatz von 80 € als Paar ziemlich genau getroffen.

Sehr simple Antwort: Sparen. Schon vor Corona, aber auch währenddessen und „danach“. Durch Homeoffice entfielen die Kosten für den Arbeitsweg und wir haben uns zuhause komplett selbst verpflegt. Sprich fast nie Essen bestellt und Ausgehen war eh nicht oder nur sehr selten möglich. Grundsätzlich können wir uns alle Lebensunterhaltungskosten (Miete, Einkaufen etc.) teilen und haben den Konsum in vielen Bereichen unseres Lebens minimiert, um monatlich möglichst viel beiseite zu legen. Wir sind uns darüber bewusst, dass wir extrem Glück hatten, in Branchen tätig zu sein, die von der Krise nicht essenziell bedroht wurden, um langfristig für unseren Traum sparen zu können.